Zu Schön!

Schönheit entsteht im Auge des Betrachters. Seit tausenden Jahren ist der weibliche Akt Ausdruck für eine geradezu unsterbliche Anziehung und Sehnsucht. Bereits die ersten Höhlenzeichnungen feierten den Körper als Fest und Symbol für Sinnenfreude. Religiöse oder ideologische Gegenbewegungen haben immer wieder Versuche zur Verhüllung und Verschleierung unternommen, um die Menschheit vor moralischem Verfall zu stoppen.

In der westlichen Warenwelt wird die Schönheit des Körpers ästhetisch inszeniert und perfekt durchkommerzialisiert. Der australische Fotograf Russell James hat die Kunst der Aktfotografie zu großer Meisterschaft geführt. Er bannt die Schönen und Erfolgreichen in seine digitalen Speicher. Sie werden zu verführerischen, makellosen aber unnahbaren Traumfrauen stilisiert. Wie Wesen von einem anderen Stern.

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Russell James. Angels.

Blumig heißt es im Text zur neuen Berliner Ausstellung „Angels“, der Promi-Fotograf James ziele nicht auf das pure Abbilden der Supermodels ab. Vielmehr verfolge er die Intention, Frauen fernab von Haute Couture, Selbstinszenierung oder Werbebotschaft zu zeigen. Ihm gehe es um die Atmosphäre intimer Momente, „in denen ihre bloßgelegte Schönheit in Sinnlichkeit aufgeht“.

Na, ja. Die Bilder sind ganz schlicht ein Fest fürs Auge. Sie zelebrieren den Moment der perfekten Inszenierung. Die Wirklichkeit bleibt außen vor. Sie ist ja auch kompliziert und hässlich genug. Wie sagte doch der alte Spötter und große Frauenversteher Kurt Tucholsky: „Wer in einem blühenden Frauenkörper das Skelett zu sehen vermag, ist ein Philosoph.“

 

 

Die Ausstellung Angels von Russell James ist bis zum 6. Juni 2015 in der Berliner Camera Work zu sehen.

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