Hardy Krüger National: Einer hält durch

Tansania. Eine kleine Propellermaschine schnurrt über der Serengeti. Ein einsamer Pilot – allein auf dem Weg in ein neues Leben. Es ist heiß, und es riecht nach Benzin. Der Flug ist endlos. Vielleicht ohne Ankunft. Der Kopf des Mannes ist voller Bilder vom Anfang einer Liebe. Und dann muss er landen, in einer vergessenen Weltecke, in der er nicht willkommen ist.

Neustart in der „Momella Lodge“. Hier wurde 1960 der Oscar-nominierte Film „Hatari“ mit John Wayne und Hardy Krüger gedreht. „Glücklich, wer hier leben kann.“ Später gründete er genau dort eine Genossenschaft, die aber alsbald pleite ging. Er spielte in über 75 Filmrollen wie in der „Brücke von Arnheim“. In seinen jungen Jahren gab er den jungen Draufgänger. Blond, blauäugig, deutsch. Im „Flug des Phoenix“ spielt er den pedantischen Tüftler der in der Wüste ein Flugzeug wieder flott bekommt.

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Als General Ludwig in „Die Brücke von Arnheim“. 1977

Dem ewigen Sonnyboy mit den stahlblauen Augen gelang 1956 der Durchbruch in dem Streifen „Einer kam durch“. Die Schauspielerei wurde seine Bestimmung. Bereits als Vierzehnjähriger hatte er im NS-Propagandafilm „Junge Adler“ mitgespielt. Er ging auf die Adolf-Hitler-Schule in Sonthofen. Als Sechzehnjähriger gehörte er wie so viele seiner Generation zu Hitlers letztem Aufgebot.

Krüger, 1928 geboren: „Ich habe mich nicht freiwillig gemeldet. Wir wurden einfach alle in Uniformen gesteckt.“ Krüger kam kurz vor Kriegsende wegen angeblichem Vaterlandsverrats vor ein Erschießungskommando. Ein Offizier rettete sein Leben: „Ich sah aus wie zwölf.“ Diese Lektion über Leben und Tod hat er nie vergessen. Seit vielen Jahrzehnten unterstützt der Schauspieler Organisationen wie „Exit“. Ein Neonazi-Aussteigerprojekt mit ständigen Geldsorgen.

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Hardy Krüger mit 87 Jahren in Schwerin. Er warnt eindringlich vor der „Gefahr von rechts“. Juni 2015.

 

In diesen Tagen tourt Hardy Krüger durch deutsche Städte. Unermüdlich warnt er, man dürfe nicht zulassen, dass Kinder Juden für Verbrecher hielten. Und: Jeder Mensch in Not müsse in Deutschland Aufnahme finden. Der Weltenbummler hatte vor zwei Jahren eine weitere Initiative mit dem Namen „Gemeinsam gegen rechte Gewalt” gegründet. Gemeinsam mit Dieter Hallervorden, Hark Bohm und dem kürzlich verstorbenen Klaus Bednarz. Hardy Krüger ist rastlos unterwegs. Nicht mehr in der Sahara, nicht in der Serengeti. Aber mitten unter uns mit mittlerweile 87 Jahren. Der Mann hat längst die Rolle seines Lebens gefunden. Einer hält durch.

 

Meine Leseempfehlung: Hardy Krüger. Die andere Seite der Sonne.

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