Der Glücks-Vogel

Er ist der größte Vogel, den wir hierzulande haben. Er wird bis zu 1,20 Meter groß und kann eine Flügelspannweite von 2,20 Meter erreichen. Der Kranich. Er schmückt als Wappentier die Lufthansa-Flotte, fliegt jedoch selbst nie alleine, sondern stets elegant und majestätisch in Keilformationen. Seine Rufe sind „ebenso würdevoll wie anmutig“. Der Kranich gilt als Symbol für Klugheit und fasziniert als „Vogel des Glücks“.

Der Kranich kann über vierzig Jahre alt werden, wobei nur wenige mehr als 25 Lebensjahre erreichen. Die Schönheit der Kraniche und ihre spektakulären Balztänze haben von Beginn an den Menschen beeindruckt. In China steht er für ein langes Leben, Weisheit, das Alter sowie die Beziehung zwischen Vater und Sohn. In Japan ist der Kranich ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit. In der Wappenkunst steht der Großvogel für Vorsicht und schlaflose Wachsamkeit. Friedrich Schiller bewunderte Kraniche als etwas Erhabenes in der Natur.

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Kraniche auf dem Weg zu einem sicheren Schlafplatz. Der Kranichzug – das „Oktoberfest der Natur“.

Zehntausende Kraniche passieren in diesen Tagen unser Land. Sie starten in Skandinavien, dem Baltikum, Polen oder Sibirien und fliegen in den Süden. Sie tanken im Nordosten Deutschlands auf, futtern auf abgeernteten Feldern notwendige Energie an, bevor sie von ihren Rastplätzen auf dem Darß, auf Rügen oder im brandenburgischen Linum ihren Langstreckenflug nach Spanien oder Afrika antreten.

Kraniche werden ob ihrer Schönheit und Eleganz bewundert. Aber auch verfolgt und gehasst als Schädlinge, weil sie ganze Felder abernten. Landen große Kranichzüge auf Äckern mit frisch eingedrilltem Wintergetreide oder Maisfeldern, hört für viele Bauern der Spaß auf. Ihr Bauernpräsident wollte gar den Glücksvogel zum Abschuss freigeben. Er wurde rechtzeitig gestoppt. Dabei war schon zu Kaisers Zeiten die Jagd erlaubt, um die Ernten zu schützen.

 

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In Linum nördlich von Berlin rasten im Oktober in manchen Jahren bis zu 70.000 Kraniche. Dann geht es weiter gen Süden.

Alle Jahre im Herbst rasten die Kraniche an den Linumer Teichen nördlich von Berlin. Ende Oktober sind es bis zu 70.000 Zugvögel, die hier für einige Tage auftanken. Ihr abendlicher Einflug ist atemberaubend. Das hat sich herumgesprochen. Längst ist an Wochenenden das kleine Linum ein Mekka für Schaulustige und Naturliebhaber. Dann sind alle Zufahrtsstraßen verstopft und zugeparkt. Die Ornithologen sind entsetzt und fühlen sich durch den Rummel in ihrer Ruhe gestört. Und die Vögel? Die schert es nicht.

Kurz vor Sonnenuntergang fliegen Kraniche und Saatgänse in V-Formationen zu ihren Schlafplätzen an den Teichen. Dort suchen sie in feuchten und sumpfigen Gebieten Schutz vor natürlichen Feinden. Kraniche fürchten den Fuchs. Es ist ein einmaliges, geradezu biblisches Spektakel. Das abendliche Einfliegen abertausender Kranichfamilien vermittelt ein vielstimmiges Bild von der Kraft und Schönheit der Natur. In solchen Momenten können wir nur den Hut ziehen. Wir ahnen: Die Natur braucht uns nicht. Aber wir sie.

Mehr Informationen und Führungen: NABU-Besucherzentrum in Linum.

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