Frischer Wind

Am Anfang war eine Idee. Aus Wind Kapital schlagen und Energie ziehen. Wahnsinn. Und heute? Wird aus Wind nur noch Rendite gemacht. Eine todsichere Sache. Die Landschaft wird zugespargelt. Der Steuerbürger zahlt´s. Wie Hecken aneinandergereiht säumen Windparkanlagen nord- und ostdeutsche Autobahnen, zerschneiden Flur, Haine, Wälder und Dörfer. Die modernen Windmühlen werden in die Provinz getragen, an die Ränder der Metropolen. Hier heißt das Wirtschaftsförderung und so baut man Windräder, soweit das Auge reicht. Sie stehen wie eine Fata Morgana in der Landschaft, befeuert von Zuschussmitteln und Steuersubventionen.

Besonders im Osten der Republik. Es ist das El Dorado der Windenergie-Lobby. Bis heute hoffen viele mit Kinderaugen auf die neuen Mühlen in Monstergröße. Investoren, Anleger, Geschäftemacher und Bauern machen Wind. Um jeden Preis. Bis zu 215 Meter sind sie hoch. Höher als der Kölner Dom. Kathedralen der Energiewende. Dabei sind strukturschwache Regionen wie die Prignitz oder die Uckermark längst zugestellt. Biszu 40.000 Euro bringt die Pacht im Jahr, wenn man sich eines dieser Räder auf seinen Acker stellen lässt.

Inzwischen werden sogar Wälder abgeholzt. Selbst das Kloster Heiligengrabe bei Wittstock überlegt. „Wir müssen wirtschaftlich sein. Wir wollen überleben“, hatte die Äbtissin die Aktion verteidigt. Und wenn alle Windräder morgen in die Luft flögen? Da lachen die Einheimischen beim Bier. Wäre doch schön, wenn es so kommen könnte, dann wären wir die Dinger los. Und den Streit in den Familien, am Stammtisch und in den Dörfern, wie viele Windparks noch gepflanzt werden sollen. So ist der Lauf der Dinge.

 

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Der Windbaum der französischen Firma New Wind. Ein Modell. Quelle: New Wind.

 

Eine Lösung aber ist in Sicht. Der Windbaum. Kein Witz! Der Windbaum ist klein, kompakt, passt in jeden Garten. Statt gigantischer Windräder soll diese Neuerfindung die Energiewende effizient und ästhetisch vorantreiben. Die französische Firma NewWind hat eine solche Mini-Kompaktanlage in Form eines Baumes entwickelt.

Dieser sogenannte Tree Vent ist mit 72 Mini-Turbinen bestückt. Sie sehen aus wie Blätter. Vom ästhetischen Design und der geringen Lautstärke erhoffen sich die Erfinder eine bessere Akzeptanz von Windkraftanlagen. Der erste Prototyp wurde vor einem Jahr mitten in Paris auf dem Place de la Concorde getestet. In Deutschland steht ein Versuchsbaum vor einem Bochumer Einkaufszentrum.

 

 

Das Fachorgan „Der Ingenieur“ schreibt anerkennend: „Die neuen Windbäume sind mit einer Höhe von elf Metern und einer Breite von acht Metern Durchmesser deutlich kleiner als herkömmliche Windkraftanlagen. Da sie die Höhe und das Aussehen eines Baumes haben, können sie sich nach den Vorstellungen des Herstellers mühelos ins städtische Bild einfügen ohne negativ aufzufallen.“

 

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Schöne neue Zukunft mit Windbaum? In Gerlingen soll der neue Exot des Strom-aus-Windmachens jetzt ausprobiert werden. Quelle: Stuttgarter Zeitung.

 

Dieser Windbaum ist natürlich kein Baum im biologischen Sinn. Er ist eine technische Neuentwicklung, produziert den Jahresstrombedarf für eine Familie und bleibt erst einmal ein belächelter Exot. Aber haben nicht Außenseiter die Welt vorangebracht? Bevor das ganze Land weiter mit Windanlagen zugepflastert wird. Wäre doch mal ein ganz neuer frischer Ansatz? Der nächste französische Wunderbaum soll übrigens im schwäbischen Gerlingen aufgestellt werden.

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