Lesen macht reich

Die Liebe zur Literatur gilt in der Regel als brotlose Kunst. Eine internationale Studie will nun belegen: Wer in der Jugend viel liest, ist später reicher. Es kommt allerdings auf die Zahl der Bücher an. Normalerweise fällt bei Bücherwürmern einem nicht zuallererst Geld, Besitz und Vermögen ein. Der durchschnittliche Milliardär posiert eher vor Säulen oder Golfplätzen als vor Bücherwänden. Die Vorstellung, Donald Trump vertiefe sich in eine Ausgabe des „Ulysses“ oder des „Kapitals“ führt ins Absurde. Der Mann ist steinreich, weil er maximal Kontobücher zu lesen gelernt hat.

Doch nun die frohe Botschaft: Lesen macht reich – oder doch wenigstens ein bisschen reicher. Das jedenfalls behauptet die Studie „Books Are Forever“, die jüngst im „Economic Journal“ veröffentlicht wurde. Sie untersuchte das Leseverhalten von gut fünftausend europäischen Männern und setzte die Ergebnisse in Bezug zu ihrem späteren Einkommen. Das Ergebnis: Die Probanden der Jahrgänge 1920 bis 1956, die mindestens zehn Bücher gelesen hatten, verdienten im Schnitt 21 Prozent mehr als Literaturabstinenzler.

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Lesen und Tee trinken. Aber nicht mehr als zehn Bücher.

 

Die Studie will ferner festgestellt haben, dass künftige Besserverdiener zwar zehn Bücher gelesen haben sollten – welche ist offenbar völlig egal – mehr jedoch helfen auch nicht. Tja. Das soll internationale Spitzenforschung sein. Nun erinnern wir uns, dass die weibliche Leserschaft früher, länger und vielseitiger liest als Männer, aber im Schnitt fast ein Viertel weniger verdient. Das juckt die Studie überhaupt nicht. Denn Frauen haben die Herren Wissenschaftler erst gar nicht gefragt.

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Frauen lesen mehr und verdienen weniger. Die Studie hat die weibliche Leserschaft erst gar nicht untersucht.

Fazit: Diese Studie kann ungelesen in der Papiertonne versenkt werden. Sie hilft der Menschheit in keinerlei Weise weiter. Im Gegenteil. Lesen macht in diesem Fall nicht reicher sondern dümmer. Vielleicht will die Veröffentlichung der erste ernstzunehmende Beitrag zum Sommerloch sein. Wer lesen will, hat bessere Möglichkeiten. Meine Empfehlung in diesen Olympiatagen: Berlin 1936 von Oliver Hilmes. Aufschlussreicher und anregender als jede Plattitüde über das Leseverhalten.

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