As slow as possible

Am Anfang war eine Idee. Vor genau 27 Jahren. Ein Flughafen für die neue Hauptstadt. Keine schlechte Idee. Nun sind wir beim Count-Up nach oben: 1.742 – 1.743 – 1.744 Tage. Immer weiter weg vom offiziellen Eröffnungstermin im Jahre 2012. Es werden noch viele Tage folgen. Der Hauptstadt-Flughafen BER ist optimal für die Comedy-Branche, abgezockte Manager und Wutbürger aller Art. Der Pannen-Gigant BER ist weltweit eine sichere Lachnummer. Wenn nur nicht die täglichen Kosten von einer Million wären. Geld, das maroden Kindergärten, Schulen und Pflegeheimen fehlt.

 

Ein Flughafen als ständiger Pointenlieferant. Keiner fliegt so schnell…

 

Genau genommen kann es nur eine Lösung geben. Die Abrissbirne. Versenkt das beispiellose Versagen in den märkischen Sand! Denn: Wer den Kaminabzug in den Keller einbaut, dann den Fehler bemerkt und den Schornstein auf das Dach versetzt, wo er hingehört, um dann die Deckenlast zu ignorieren, um schließlich zu bemerken, dass das ganze Haus nun einsturzgefährdet ist, sollte den Job wechseln. In Berlin werden solche Leute hoch- oder weggelobt. Mindestens fünf Geschäftsführer, unzählige Unterchefs und Manager erhielten leistungslose Höchsteinkommen. Von wegen: Bauherren haften für ihre Fehler. In Diktaturen wäre kurzer Prozess gemacht worden.

 

Fast fertig. Bald fertig. Könnte irgendwann einmal fertig werden… Flughafen BER in Berlin.

 

Da wir weiter in einer Demokratie leben wollen, bleibt zunächst nur Gelassenheit als Bürgerpflicht. Und ein Blick in die Geschichtsbücher. Was sind schon 27 Jahre Pleiten, Pech und Pannen. Der Kölner Dom wurde nach genau 632 Jahren vollendet. Eine großartige Symphonie des Versagens und der Baukunst. 1248 wurde der Grundstein gelegt. Am 15. Oktober 1880 konnte das imposante Kirchengebäude eingeweiht werden. Mit mittlerweile bunten „islamischen“ Fenstern von Gerhard Richter.

Das neue Motto: As slow as possible. 639 Jahre wird die Aufführung des John Cage-Klassikers dauern. Seit sechzehn Jahren erklingt sein Werk pannen- und fehlerfrei. Cage hatte As slow mit Hilfe eines Zufallsprogramms komponiert. Einige gewitzte Cage-Jünger führen seit Herbst 2001 sein Marathon-Werk auf einer Orgel in einer Klosterruine von Halberstadt auf. Was für ein Beispiel für Lebensmut, Idealismus und Zukunftsglaube! 2640 wird As slow as possible mit dem Schlusston vollendet werden.

 

Die Partitur zum John-Cage-Orgel-Kunstprojekt im Kloster St. Burchardi in Halberstadt, Sachsen-Anhalt. „As slow as possible“ (So langsam wie möglich) wird auf einer eigens zu diesem Zweck konstruierten Orgel aufgeführt.

 

Think great! Nimm dir Zeit. Cage lehrt uns Langmut. Und Mut zum längsten Musikwerk der Menschheitsgeschichte. Bei drei Prozent liegt derzeit die Wahrscheinlichkeit, dass der Berliner Flughafen BER bis Juni 2018 öffnen kann, erklärt Unternehmensberater Roland Berger. Tja. 2020 ist der nächste Klangwechsel in Halberstadt. Das steht fest, wird stimmungsvoll und ein Fest für alle Liebhaber großer Werke. Welcher Kleingeist fragt da noch, ob bis dahin der Flughafen Berlin-Babylon fertig sein könnte?

 

Eines Tages wird einmal über dem  Terminal stolz der Schriftzug leuchten: FERTI.

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