So viel Anfang

Am Anfang stand ein Aufruf: „In unserem Lande ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört. Belege dafür sind die weitverbreitete Verdrossenheit bis hin zum Rückzug in die private Nische oder zur massenhaften Auswanderung. Fluchtbewegungen diesen Ausmaßes sind anderswo durch Not, Hunger und Gewalt verursacht. Davon kann bei uns keine Rede sein.“

Weiter heißt es: „Wir wollen Spielraum für wirtschaftliche Initiative, aber keine Entartung in eine Ellenbogengesellschaft. Wir wollen das Bewährte erhalten und doch Platz für Erneuerung schaffen, um sparsamer und weniger naturfeindlich zu leben. Wir wollen geordnete Verhältnisse, aber keine Bevormundung. Wir wollen freie, selbstbewusste Menschen, die doch gemeinschaftsbewusst handeln.“ Das war der Aufruf des Neuen Forum vom Herbst 1989. Verdammt lang her.

 

Gesehen in Heidenau bei Dresden. Eine Hochburg der Pegida-Bewegung.

 

Mittlerweile sind fast drei Jahrzehnte vergangen. Die Deutsche Einheit hat weit über zwei Billionen Euro gekostet. Rechnet man alle Finanztransfers in den Osten Deutschlands zusammen: Wirtschaftsförderprogramme, Soli, Länderfinanzausgleich, EU-Fördermittel sowie Transfers über die Sozialsysteme abzüglich selbst erzeugter Steuern und Sozialabgaben. Eine Menge Geld.

 

„Bruderkuss“. East Side Gallery Berlin.

 

Was lernen wir aus dieser Geschichte? Es scheint sehr wenig bis gar nichts. Erich Kästner formulierte einmal diesen Wände-Gedanken: „Immer wieder kommen neue Maler, die die Wände neu anstreichen. Es ist immer eine andere Farbe, aber immer dieselbe Wand.“

 

Mauern haben wieder Konjunktur. Weltweit.

 

Der heutige Zeitgeist will keinen neuen Anstrich mehr, keinen Aufbruch. Am besten eine Einheitsfarbe. Struktur, Ordnung und Sicherheit sind gefragt. Ist die Demokratie ein Auslaufmodell? Wird es immer logischer, dass Diktaturen so verführerisch sind? Noch verblüffender ist, wie viele Menschen einen „starken Mann“ herbeisehnen. Nicht wenige davon sind als äußerst intelligent zu bezeichnen. Ist das konsequenterweise das Ende vom Anfang?

 

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