Hoch hinaus

Er ist ein Familienmensch, hat vier Adoptivkinder und gilt als bescheiden. Er ist ein Morgenmuffel, hasst Wecker und lehnt Termine am frühen Morgen kategorisch ab.  Sein Name: Jeff Bazos. Selfmademan, Konzerngründer, Inhaber des Versandhandels Amazon mit einem Wert von 425 Milliarden Dollar. Der 53-jährige hat mittlerweile Warren Buffett als zweitreichsten Mann der Welt überholt. Auf genau 76,6 Milliarden Dollar beziffert das Wirtschaftsmagazin Forbes sein Privatvermögen. Bezos will nun noch höher hinaus.

Der weltgrößte Online-Händler will ins Weltall. Für sein außerkosmisches Unternehmen Blue Origin plant er 2.4 Milliarden Dollar bereitzustellen, indem er einen Teil seiner Aktien verkauft. Sein Traum: Der Amazon-Chef will ab 2018 Weltraumflüge für gutbetuchte Passagiere anbieten. Geplanter Preis für einen Fensterplatz: 300.000 Dollar. Sechs Passagiere sollen in der wiederverwendbaren Rakete Platz finden. Ein verspäteter Aprilscherz? Offenbar nicht. Die Erde als Geschäftsfeld ist ihm wohl zu klein geworden.

 

Nach den Sternen greift Jeff Bezos mit seinem Weltraumprojekt Blue Origin.  Quelle: Manager Magazin.

 

„Always be frugal“ heißt einer seiner zwölf Amazon-Grundsätze. Sei stets bescheiden, predigt Bezos seinen Mitarbeitern. Bescheidenheit muss Jürgen Weber aus Potsdam nicht üben. Er muss sie täglich leben, um wenigstens einigermaßen überleben zu können. Der gelernte Bautischler ist seit kurzem arbeitslos. Mit 57 Jahren sieht er keine Chancen mehr. Weber hatte als Sicherheitsmann und zuletzt als Gärtner gejobbt. Jetzt muss er im Monat von 409 Euro Hartz IV plus Miet-Zuschuss über die Runden kommen.

Das Wochenmagazin Die ZEIT veröffentlichte eine Serie zum Thema  Wie gerecht ist Deutschland? Hier rechnete Weber schonungslos sein monatliches Einkaufbudget vor. 200 Euro stünden ihm für Lebensmittel zur Verfügung. „Ich kaufe hauptsächlich bei ALDI ein und muss trotzdem auf jeden Euro achten. Wenn es Sparaktionen gibt, kaufe ich auf Vorrat. Oft mache ich einen großen Eintopf und friere ihn portionsweise ein.“

 

Einen Cappuccino für 3,20 im Café? „Kann ich mir nicht leisten“, sagt Jürgen Weber. „Dafür müsste ich zwei Monate sparen.“

 

Rücklagen für die Rente? Urlaubspläne? Träume? –Fehlanzeige. Seit der Kündigung seines Aufstockerjobs als Gärtner ist selbst ein Cappuccino zum Luxus geworden. „Dafür im Café 3,20 Euro zu zahlen kann ich mir nicht leisten. Darauf müsste ich zwei Monate sparen.“ Demütig und bescheiden zu sein, das ist für Jürgen Weber tägliche harte Notwendigkeit. Er hat keine Wahl. Er braucht keine „Leadership Principles“. Aber Aufgeben ist nicht. Der Potsdamer leitet einen Verein für Hartz IV-Betroffene, hilft anderen nicht völlig unterzugehen.

 

„Always be frugal“. Sei stets demütig und bescheiden. Eine der zwölf Firmengrundsätze von Amazon.

 

Der 57-jährige „Hartz IV-Leistungsbezieher“ bezeichnet sich in der ZEIT-Umfrage als glücklichen Menschen. Auf einer Skala von 0 bis 10 gab er sich eine glatte Zehn. Warum? „Ich habe zwar gerade meinen Job verloren, aber ich kann mir selbst und anderen helfen, habe keine nervende Frau.“ Vielleicht verbindet ihn diese Selbsteinschätzung mit Bill Gates, dem reichsten Mann des Planeten. Der Microsoft-Gründer hat mit seiner Frau Melinda ein Vermögen von 86,7 Milliarden Dollar angehäuft. Auch die Gates sagen: Nur Helfen mache Menschen glücklich.

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