Riskante Burger

London, Manchester, Paris, Berlin. Die Anschläge werden häufiger, rücken immer näher. Der Terror gehört längst zu unserem Alltag. Angst geht um, heißt es in Leitartikeln und Talkshows. Bei anderen blühen Empörung und Fanatismus. Doch bei den weitaus allermeisten dominieren Abstumpfung, Achselzucken und Apathie. Wer Fakten zur Kenntnis nimmt, erfährt Überraschendes:  Weltweit begehen deutlich mehr Menschen Selbstmord als dass sie durch Kriege, Terroristen oder Kriminelle ums Leben kommen. Dabei ist die Suizidrate in Wohlstandsländern auffallend höher als in traditionellen und armen Gesellschaften.

 

Edvard Munch. Der Schrei 1892.

 

Keine Statistik der Welt kann uns beruhigen, wenn Gefühle wie Hass und Wut das Verhalten steuern. Aber: „Zucker ist heute gefährlicher als Schießpulver.“ Warum? Coca-Cola stellt eine weitaus größere Bedrohung als der Islamische Staat dar. Das schreibt der israelische Historiker Yuval Noah Hariri. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte sterben mehr Bürger, weil sie zu viel essen und nicht weil sie hungern müssen. 2014 waren mehr als 2.1 Milliarden Menschen übergewichtig, aber „nur“ 850 Millionen litten an Unterernährung. 2010 starb rund eine Million Menschen an Hunger, drei Millionen jedoch an Fettleibigkeit.

Für Harari steht fest: Der Durchschnittsmensch stirbt „mit größerer Wahrscheinlichkeit, weil er sich bei MacDonalds vollstopft als durch eine Dürre, Ebola oder einen Anschlag von al-Qaida“. Das ist der Preis, den wir  für unsere Lebensweise zahlen müssen, notiert er. Obwohl Hunger, Krankheit und Krieg bei Anbruch des dritten Jahrtausend nahezu besiegt seien. Diese uralten Menschheitsplagen könnten nunmehr „im Zaum gehalten“ werden.

 

Peter Lenks Beitrag zum Thema Wohlstand.

 

Die nächsten Ziele der Menschheit  sind Harari zufolge das Streben „nach Unsterblichkeit, Glück und Göttlichkeit“. Der Google-Konzern steckt mit seinem Subunternehmen Calico bereits zweistellige Millionenbeträge in die Forschung der Geheimnisse von ewiger Jugend. Die Suche nach dem unendlichen Glück. Bill Maris, Chef des Investmentfonds Google Ventures erklärt: „Wir versuchen nicht, ein paar Meter gutzumachen. Wir versuchen das Spiel zu gewinnen. Weil leben besser ist als sterben.“

 

Yuval Noah Harari kritisiert die Gottgleichheit großer Konzerne. Ein Schwarzmaler oder der Prophet der Neuen Welt? Foto: CH Beck

 

Glücksversprecher Google. Der Traum von der Unsterblichkeit soll wahr werden. Eine Aufgabe, an der dieser Konzern still aber verbissen forscht. Sind das nun glückliche Perspektiven für die Zukunft? Im Mittelalter bedurfte es nur eines Stückes Brotes, um einem hungernden Bauern zu erfreuen. „Womit aber macht man einem gelangweilten, überbezahlten und übergewichtigen Ingenieur eine Freude?“ fragt Wissenschaftler Harari in seinem neuen spannenden Buch „Homo Deus“. Diese Antwort gibt er nicht.

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