Super-Putin

„Wie viele gute Menschen gibt es in Russland!“ fragt Wladimir Wladimirowitsch Putin. Er zitiert den großen Dichter Tschechow. Dessen Antwortet: Viele, denn Barmherzigkeit und Nächstenliebe gehören zur russischen Seele. Das wärmt in kalten Zeiten. Putin, der neue aufgeklärte Zar. Bei den Präsidentschaftswahlen im März 2018 wird er für seine vierte Amtszeit kandidieren. Seine Wahl ist sicher. Einen ernstzunehmenden Gegenkandidaten gibt es nicht.

 

Superputin. Foto: Reuters. Maxim Shemetov.

 

Kurz vor Weihnachten lädt Babaj Putin zur traditionellen Kreml-Pressekonferenz. Eine perfekte Inszenierung. 1.600 Journalisten aus aller Welt. Vier Stunden Audienz. 65 Fragen. Auf einem der vielen Plakate im Saal steht „Babaj Putin“ = Großvater Putin. Der 65-jährige hat es geschafft. Er steht längst über den Dingen und kümmert sich doch um die Sorgen der kleinen Leute, so die Botschaft. Ob neue Straßen, kaputte Brücken, marode Kindergärten, darbende Fischer. Auch dem Direktor der Murmansker Fischfabrik, der sich unter die Journalisten gemischt hat, widmet der Übervater Aufmerksamkeit und Verständnis. Super Putin wird es richten.

Superputin. Foto: Reuters. Maxim Shemetov.

 

 

Putins „einzigartige Popularität“ zu zeigen und herauszufinden, „wie er normalerweise von Menschen gesehen wird“, das verspricht die aktuelle Ausstellung „SUPERPUTIN“. Dreißig Künstler zeigen im Moskauer Museum für „ultramoderne“ Kunst (UMAM) neue Arbeiten zu und über Putin. Organisatorin Yulia Dyuzhev versichert, dass „keines der Werke in Auftrag gegeben wurde“ und „alles auf Inspiration basiert“.

 

 

Die Werke der SUPERPUTIN-Ausstellung werden noch bis zum 15. Januar 2018 in Moskau gezeigt. Anschließend soll die Ausstellung nach Berlin und London weiterziehen. Übrigens. Sollte Putin im März die Präsidentschaft für weitere sechs Jahre antreten, verkürzt sich sein Abstand zum „größten russische Held aller Zeiten“. Das ist laut einer Umfrage Väterchen Stalin. Der große Diktator regierte 26 Jahre, bis zu seinem Tode 1953. Putin fehlt eigentlich nur noch die Auszeichnung, dass eine Stadt zu Lebzeiten nach ihm benannt wird. Wie wäre es mit Stalingrad, dem heutigen Wolgograd?

 

„Superputin“ in Moskau. Foto: APA/AFP/Yuri Kadobnov

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