Koffer in Berlin?

Berlin wächst, gedeiht und blüht. Der Boom ist ungebrochen. Menschen aus aller Welt strömen in die Stadt, versuchen ihr Glück, hoffen und bangen. Viele verlassen die Spree-Metropole auch gleich wieder. 170.000 Berliner auf Zeit waren es allein 2017. Aber unterm Strich werden es täglich mehr Neu-Berliner. Sie können jederzeit und kostenfrei das volle Programm weltstädtischer Wurstigkeit genießen. Alles ist möglich, nichts klappt richtig.

Ob Kita, Schule, Verwaltung, Verkehr, Wohnen, die Stadt ist zuverlässig am Limit. Jeder kennt das Jahrhundertprojekt Flughafen BER. Der Überziehungskredit liegt nunmehr bei exakt 2.276 Tagen (Stand: 26. August 2018). Viele Tage, Wochen und Monate werden noch folgen. Reparaturen aller Art fallen daher in der Hauptstadt unter den sogenannten BER-Vorbehalt. So in der Bedürfniseinrichtung einer öffentlich-rechtlichen Anstalt in Berlin-Mitte. Ein Hoch auf den Klempner, der zeitnah Abhilfe leisten kann.

 

Toilette defekt. Das kann dauern. Handwerker sind rar und wollen zuvorkommend behandelt werden. Hier verspricht ein Zeitgenosse die „Wiedereröffnung zeitgleich mit dem BER“ (Flughafen)

 

Wer weiß schon, dass selbst das Musizieren in Berlin unter preußischen Verordnungs- und Regelungsbedarf fällt? Im Hochsommer sind auch bei dreißig Grad Fenster beim fröhlichen Üben geschlossen zu halten. So die Anordnung der Musikschule Charlottenburg-Wilmersdorf. Der lieben Nachbarn wegen. Grundreinigung von Musikräumen und Klanggeräten muss daher vernachlässigt werden. In guten Zeiten erfolgt der Reinigungs- Vorgang maximal einmal pro Jahr. Vermutlich sind Management und Mitarbeiter mit dem Anbringen von Warnhinweisen mehr als ausgelastet.

 

Musikschule Wilmersdorf. Der Senat scheut keine „lärmdämpfenden Maßnahmen“, um die Qualität des Zusammenlebens in Berlin zu erhöhen.

 

Die Verkehrslenkung in der Vier-Millionenstadt ist geradezu beispielhaft. Leitbild der Verwaltung ist: jeder macht, was er will. Koordination und Kommunikation sind Konfliktfelder, die mit robuster Ignoranz und unter Berücksichtigung der Genderfrage keineswegs „prioritär“ zu behandeln sind. Dabei entwickelt der rot-rot-grüne Senat im Zusammenwirken mit ausführenden Firmen exemplarische Höchstleistungen. Um  die Sicherheit der radelnden Verkehrsteilnehmer zu erhöhen werden weder Kosten noch Mühen gescheut.

 

Der Zick-Zack-Weg in Zehlendorf demonstriert auf eindrucksvolle Weise die innovative und zukunftsweisende Verkehrspolitik des Berliner Senats. Nun muss er „zurückgebaut“ werden.

 

Dieser kreative Umgang mit platzsparenden Konzepten in einer stillen Berliner Vorort-Straße wurde allerdings jäh gestoppt. Der Zick-Zack-Radweg von Zehlendorf muss nun wieder aufwändig weggefräst werden. Das verordnete die zuständige Verwaltung, nachdem die neuen Wege bundesweit auf Unverständnis oder gar befreiende Heiterkeit stießen.

 

 

Was wichtig ist: Sehen und gesehen werden. Aufgenommen an der Friedrichstraße in Berlin-Mitte.

 

Siehste mal: Berlin kann es. Wenn es will. Wäre doch gelacht.

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