Mann mit Hut

Wenn er die Bühne betritt, trägt er Hut, Sonnenbrille und Nadelstreifenanzug. Er schottet sich ab, als ob der Rest der Welt eine einzige Zumutung ist. Dann erhebt er seine Stimme. Der Prophet singt. Und das Eis bricht. Seit sechs Jahrzehnten steht George Ivan Morrison im Rampenlicht. Besser bekannt ist der schrullige Ire als Van the Man. Genau genommen heißt er Sir Van Morrison. Die Queen hat den weißen Vater des RnB 2015 geadelt.

Den kleinen Van warf das Schicksal 1945 in die bescheidene Hütte einer Belfaster Familie. Der Vater ist Elektriker auf einer Schiffswerft, die Mutter Stepptänzerin. Doch im Hause Morrison gibt es eine Besonderheit. Hier wird Blues und Jazz gehört und gelebt. Mit elf lernt Van Gitarre spielen, mit sechzehn Saxofon, mit siebzehn tourt er zum ersten Mal durch Europa. Mit neunzehn gründet er seine Band „Them“, es sind die irischen Beatles. 1964 gelingt mit „Gloria“ auch der erste Hit. Drei Jahre später 1967 erobert er mit „Brown Eyed Girl“ die Charts. Längst ist dieses Lied ein Klassiker.

Das 40. Album von Van Morrison. The Prophet speaks. 2018/19.

Sein Kapital ist seine Stimme. Van hat den Blues. Eine Stimme voller Poesie, Leidenschaft und Hunger nach Leben. Seit sechzig Jahren tourt Van the Man durch Bars und Clubs, füllt Säle und Stadien. Längst ist er eine sogenannte lebende Legende. Ein Denkmal. Ein Stimmwunder, der wie kein anderer die irische Seele verkörpert. Ein Schrei nach Hoffnung und Überwindung von Trauer und Melancholie. Zuverlässig ist der Mann mit Hut bei seinen Konzerten schlecht gelaunt, um genau so die besten Songs und Interpretationen berühmter Vorlagen abzuliefern. Das Leben ist kein Ponyhof. Vieles scheitert. Manches geht für immer in die Brüche:  It´s all over now. Keiner hat den Dylan-Song so veredelt wie er.

Van Morrison wird dieses Jahr 74 Jahre alt. Er ist ein Workaholic. Ein Unruhegeist. Als wollte er die Zeit aufhalten, hat er in den letzten anderthalb Jahren gleich vier Alben eingespielt. Erst Keep me singing, 2017 dann das bluesige Roll with the Punches, im gleichen Jahr das eher verjazzte Versatile. Und vor kurzem die jüngste Neuveröffentlichung The Prophet speaks aus dem Dezember 2018. Der Prophet ist ein Mix aus eigenen Songs und neu arrangierten Klassikern von Willie Dixon, Solomon Burke oder John Lee Hooker. Let the good times roll…

Im Juni 2019 kommt Van Morrison für zwei Konzerte nach Deutschland.

Live-Konzerte mit Van Morrison haben eine ganz eigene Dramaturgie. Sie können den Bären steppen lassen. Oder in lustloser Routine versinken. Ganz nach Tagesform. Es geht im Leben eben ständig auf und ab. Genau wie in seinem Song Ancient Highway. Doch in den letzten Jahren hat sich etwas geändert. Je älter der Ire wird, desto kürzer werden seine Konzerte, aber auch umso besser, gehaltvoller, intensiver. Wie ein guter, reifer Wein. Van the Man startet im März in Brexit-UK seine x-te Welttournee. Zweimal schaut er in Deutschland kurz vorbei. Am 11. Juni 2019 Open Air im Stadtpark in Hamburg, am 12. Juni in der Berliner Arena am Ostbahnhof.

Thanks Man.

Er hat den Blues. Auf die irische Weise. Ancient Highway. Einer seiner zahllosen Songs aus sechzig Jahren.

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