Radolfzell. Bodensee 2019.

Am Ende der Welt

Das Leben – eine Momentaufnahme. Wie heißt es so schön: Gestern ist Geschichte, das Morgen ein Geheimnis, heute ist das Leben. Während in Ballungsgebieten und Szenevierteln letzte Lücken zugebaut werden und bezahlbarer Wohnraum – scheinbar naturgegeben –Mangelware wird, verlässt der Pariser Fotograf Thomas Jorion ausgetretene Wege. Seit Jahren sucht er stille, verlassene und vergessene Orte. Manchmal sind diese Nischen gleich um die Ecke. Wir gehen nur achtlos an ihnen vorbei.

Thomas Jorion. Papagallo. Italien. 2018

Jorion dokumentiert abseits der Großstädte die Kunst des Verfalls, die  creatio ex nihilio. Wo einst auf dem Lande Pracht und Luxus gefeiert wurden, hat er faszinierende Formen der Vergänglichkeit gefunden. Jorion liefert Antworten auf das laute Zeitalter der Selbstoptimierung und totalen Inszenierung. Schaut her, das ist, was bleibt! Der 43-jährige Franzose zeigt in seiner neuesten Arbeit italienische Paläste und Villen aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Thomas Jorion. Pensile. Italien. 2018

Zehn Jahre recherchierte Thomas Jorion in ganz Italien, reiste von Nord nach Süd, bis ans Ende der Welt. Er hielt in den Ruinen alle Formen und Farben fest – von Wiesengrün über Himmelsblau, Erdbraun bis Ziegelrot. Offenbar kümmert sich niemand mehr um diese verlassenen Orte. Um Sommerhäuser, Palais und verwunschene Gärten. Eine Expedition in die Vergangenheit. Nichts für nervöse Menschen mit ihren funkelnden Smartphones und teuren Sneakers.

Thomas Jorion. Fondali. Italien. 2017

Les Palais oubliés. Bis 6. April 2019. Galerie Esther Woerdehoff. Paris.

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