Jacob – Allein zu Hause

Dieses Talent sprengt alle Grenzen. Sein Name: Jacob Collier. 24 Jahre alt. Der nette Junge von nebenan. Aus dem unspektakulären Londoner Vorort Finchley. Wenn Jacob sich in sein kleines Versteck im elterlichen Reihenhaus zurückzieht, öffnet er eine faszinierende, andere Welt. Er musiziert alleine zu Hause. In seinem Zimmer. Und wie! Jacob Collier gilt als neues Wunderkind des Jazz. Manche meinen, er sei ein moderner Mozart. Ein Youtube-Maestro.

Mit Stevie Wonder sein erster Erfolg im Netz. Das war 2013.

Jacob Collier stammt aus einer hochmusikalischen Familie. Die Eltern sind beide Violinisten. In der Küche oder im Wohnzimmer stimmen sie mit Jacob und seinen zwei Schwestern manchmal Bach-Choräle an. Jacob singt als Schüler bereits in Mozarts Zauberflöte mit. Mit siebzehn Jahren postet er seine ersten Multimedia-Gehversuche ins Netz. Der Junge, der sich allein zuhause ausprobiert – in der ehemaligen Kemenate des Großvaters. Auch er war ein Geiger.

Kein Cover. Der erste Erfolg aus der „eigenen Stube“. Hideaway 2016.

Jacob verfeinert mit Loops (Schleifen) und Soundcomputern seinen Stil-Mix aus Jazz, Klassik, Folk, Pop und Gospel. Über allem liegt seine fantastische Stimme, die vom Sopran bis Bass reicht. Jede einzelne Note, jeder Ton entwickelt er in Heimarbeit. 2011 der erste Erfolg: Er covert Stevie Wonders „Don´t you worry `bout a thing“. Der Alleinunterhalter  erobert im Flug die Sozialen Netzwerke. Mit seiner ersten eigenen Komposition „Hideaway“ (Versteck) gelingt der Durchbruch.

Die Klickzahlen schnellen in die Millionen-Höhe. Jacob traut sich aus seiner Reihenhaus-Höhle auf die Bühnen der Welt. Die Größen der Jazz- und Popbranche melden sich bei ihm. Quincy Jones, Herbie Hancock oder Chick Corea. Es ist wie in einem Hollywood-Märchen. Mit 21 Jahren tritt Jacob, der Solist aus dem Reihenhaus, beim Montreux Jazz Festival auf. Im gleichen Jahr veröffentlicht er seine erste CD In my room. „Dieses Album repräsentiert, wie ich bisher Musik gemacht habe, in jenem Zimmer.“

An Englishman in New York. Mit Snarky Puppy 2016.

Mittlerweile hat Jacob mit Djesse sein zweites Album auf den Markt geworfen. Der junge Brite sucht den Kontakt zu anderen Musikern. Er lernt und profitiert von  neuen Einflüssen. So entstehen Co-Produktionen mit Hamid Es Kasri, der Gnava-Legende aus Marokko und dem niederländischen Metropole Orkest. Jacob, der musikalische Tausendsassa, tourt 2019 live durch die ganze Welt.

Was macht der Erfolg mit ihm? Es sei verrückt, antwortet er. Wörtlich sagt er: „Weird“. Weird kann vieles bedeuten. Ulkig, komisch oder auch gruselig. Seine Haus-Musik mit Loops, Vokalharmonizern und echten Instrumenten ist eine Entdeckung. Bleibt nur eine Frage: wäre Jacob auch in analogen Zeiten innerhalb kurzer Zeit so bekannt geworden? Vermutlich eher nicht. Wahrscheinlich würde er weiter vor sich hinwerkeln – alleine in seinem Zimmer im Reihenhaus von Finchley.

Blackbird von den Beatles – in einer Variante von Jacob. Allein mit Publikum.

Mehr über Jacob Colliers neues Projekt Djesse hier.

Jacob Collier mit Herbie Hancock, Quincy Jones und Chick Corea. Foto: privat

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