Kaiser Donald I von Grönland
Was will er bloß im ewigen Eis? Warum droht, schmeichelt und trumpisiert er maximal, um eine riesige, eiskalte Insel, die größte der Welt übrigens, einzuverleiben? Soll das autonome Nunarput (grönländisch für „Unser Land“) seine Krim werden? Seit Wochen eskaliert der Mann aus Washington mit Zuckerbrot und Peitsche. Mal bietet er jedem Inuit ein Begrüßungsgeld von hunderttausend Dollar an. Dann erhöht sein US-Vize JD Vance den Druck. „Lassen Sie uns in zwanzig Tagen über Grönland sprechen.“ Und schließlich droht Donald Trump am 9. Januar 2026: „Wenn wir es nicht auf die einfache Art tun, werden wir es auf die harte Art tun“.
Willkommen im 19. Jahrhundert. Zurück in einer Zukunft mit Kanonenbooten, Säbelrasseln, Bomben und unstillbarem Größenwahn. Gegenüber seinem „Leib- und Magenblatt“, New York Times, erklärt der MAGA-Präsident seine Grundsätze: „My own morality. My own mind. It’s the only thing that can stop me.“ Niemand kann ihn mehr stoppen, meint er. Nichts in der Welt aufhalten. Das Gesetz bin ich. Ich mach’, was ich will. Kurzer Moment zum Innehalten. Wir schreiben das Jahr 2026, die Demokratie wird in den USA 250 Jahre alt. Dank Internet können wir in Sekundenschnelle fast alles erfahren. Wir befinden uns nicht im März 1867, als die USA in einem Deal Alaska für 7,2 Millionen Dollar von Russland kauften. Aus Russisch-Amerika wurde ein US-Bundesstaat.

„Grönland ist das eindrucksvollste Land, das ich kenne.“ Halldor Gudmundsson, isländischer Schriftsteller und Verleger.
Und nun Grönland? Was will Trump dort wirklich? Mein isländischer Freund Halldor Gudmundsson lacht laut auf. „Da waren wir längst: von 980 bis 1400. Die Wikinger haben Walzähne gewinnbringend als Einhörner in Europa verkauft.“ Isländer sind eben die besten Geschichtenerzähler. Warum sie nach über vierhundert Jahren die unwirtliche Insel wieder verlassen haben, ist unbekannt. „Grönland ist das eindrucksvollste Land, das ich kenne“, schwärmt Freund Halldor, keine zwei Flugstunden von Island entfernt. Aber Grönland sei hart und schroff. Alle Versuche, Bodenschätze wie Gold, Zink, Eisen, Erze oder Seltene Erden einigermaßen ökonomisch abzubauen, seien bisher gescheitert. Wir rätseln über Trumps wahre Motive. Knallharte Geopolitik? Egomanie, um als Eroberer von Grönland in die Geschichtsbücher einzugehen? Muskelspiele, um die Dänen und damit das verhasste EU-Europa zu demütigen?
Es ist verrückt, sagt mein Freund Halldor, der isländische Autor und Kenner des Nordens, die USA seien militärisch längst auf Grönland präsent. Meine Recherche ergibt: Während des Zweiten Weltkriegs nutzte die US-Armee die Insel als Brückenkopf und Frühwarnsystem. 14 US-Stützpunkte waren allein auf Grönland. Heute betreiben die USA nur noch die Pituffik Space Base. Dort waren bis zum Ende des Kalten Krieges über zehntausend Soldaten stationiert, aktuell sollen es etwa 600 Militärangehörige sein.

US-Thule Air Base auf Grönland. 1989. Einer von einst 14 Stützpunkten. Heute betreibt die US-Army noch den Stützpunkt Pittufik Space Base.
Grönland besteht auf seiner Unabhängigkeit. Jahrzehntelang war das Land „danifiziert“ worden. Momentan lehnen 85 Prozent der 57.000 Inuits eine US-Übernahme ab. „Genug ist genug. Schluss mit den Annexionsfantasien“, erklärt der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen. Aber wer soll die Menschen im Eismeer verteidigen? Grönland? Dänemark? Die NATO?
Donald Trump bedrängt die Insel, um sie für umgerechnet sechs Milliarden Dollar zu kaufen. Gemeint ist das versprochene Pro-Kopf-Begrüßungsgeld von 100.000 Dollar. Ein echter Trump-Deal. Grönland sei tatsächlich mindestens drei Billionen Dollar wert, analysiert selbst ein US-Investment-Gutachten.
Geschichte wiederholt sich – momentan als gefährliche Farce. Vor genau achtzig Jahren, kurz nach dem verheerenden II. Weltkrieg 1946 wollte US-Präsident Harry Truman Grönland für hundert Millionen Dollar in Gold erwerben. Das entspricht heute etwa 1,6 Milliarden US-Dollar. Das kleine Dänemark lehnte ab. Damals stand die Menschheit am Beginn einer neuen regelbasierten Weltordnung, dank der von den USA forcierten Gründung der UNO. Heute droht deren Ende.
Zum Thema Grönland noch ein Lese- und Filmtipp:

