Category : aktuelles

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Der Traum vom Baum

Neues zur Klimakrise. Politiker zeigen Entschlossenheit, wollen handeln. Ob in der Bundesregierung oder auf lokaler Ebene. Dort, wo Politik konkret ist. Der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat in diesen Tagen den „Klimanotstand“ ausgerufen. Rot-Rot-Grün packt an. Denn: „Das Klima wartet nicht“, sagt der Sprecher der Bündnisgrünen. Was geschieht? Unzählige Papiere werden gedruckt, in Umlauf gebracht, verworfen, korrigiert, um am Ende wieder im Papierkorb zu landen. Kreislaufwirtschaft im 21. Jahrhundert. Alle Beschlüsse vor Ort sollen künftig auf Folgen für die Umwelt überprüft werden. Auf Basis der 17 UNO-Nachhaltigkeitsziele. Das hört sich beeindruckend an – Klimarettung auf höchstem Niveau.  Und die Praxis?     Tatsächlich hat der wohlsituierte Kudamm-Bezirk andere Probleme. Neue Bäume

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Genau richtig

Hat Literatur die Macht, Wut, Hass und Vorurteile zu überwinden? Können Bücher wirklich etwas verändern? Jostein Gaarder müsste es eigentlich wissen. Der Norweger hat seinen Bestseller Sofies Welt sechzig Millionen Mal in die Welt verkauft. Momentan entdecken die Chinesen seine Betrachtungen über die Fragen des Woher und Wohin der Menschheit. Jostein Gaarder zögert mit seiner Antwort. Er schaut mich an. Überlegt. Der große alte Erzähler aus Norwegen bleibt skeptisch. Er sagt: Wir leben in einem Zeitalter der Bilder. Sie haben längst mehr Wert als Worte. Aber! Die Zukunft des Wortes sei dennoch nicht zu unterschätzen. In diesem Sommer erscheint in Deutschland sein neues Buch: Genau richtig. Die Geschichte von Albert

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Landregen

Wie wäre es mit einem langen, ergiebigen, auf Dächer und Fensterscheiben platternden Regen? Nicht generiert auf der App „Rainy“ oder „Relax“ zum besseren Einschlafen. Nein. Vielmehr in der wirklichen Wirklichkeit. Im richtigen Leben. Landregen hieß es bei den Großeltern, wenn es mehr als sechs Stunden gleichmäßig aus dunkel-grauen Wolken tröpfelte, goss und plätscherte. Wenn Regen über das Land hinwegzog. Und einfach verweilte. Kein Starkregen. Keine Unwetter mit tennisballgroßen Hagelkörnern. Nein, einfach ein stiller, langanhaltender, unspektakulärer Dauerregen. Bereits im zweiten Sommer in Folge erweist sich diese Form von Landregen als äußerst sparsam und zurückhaltend. Petrus verweigert in weiten Regionen des Landes seine Dienste. Da kann die Wetter-App vorab noch so viel

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Flieg, Amsel, flieg

Abheben, Fliegen, Frei sein. Paul McCartney packte in seine zwei Minuten und zwölf Sekunden Blackbird alles, was ihn bewegte. Er verdichtete das wilde Jahr 1968 in wenige Zeilen. Aufbruchstimmung. Protest. Hoffnung. Ausrufezeichen einer Generation, die unbeschwert an ein besseres Morgen glaubte. Blackbird fly into the light. Musikalisch inspiriert durch Johann Sebastian Bachs Bourée griff McCartney die alltägliche Diskriminierung der schwarzen Minderheit in den USA auf. Die Amsel verkörpert für ihn eine Frau, die sich schlimmsten Attacken ausgesetzt sieht. Nur wegen ihrer Hautfarbe. „Anstatt konkret zu werden und von einer ‚schwarzen Frau in Little Rock‘ zu singen, wurde diese Frau zum Vogel, ein Symbol, das die Zuhörer dann auf ihr spezielles

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Nichts müssen

„Nichts machen, nichts wollen, nichts müssen! – Einfach sein.“ Was für ein einfacher, bestechender Gedanke. Einmal die Woche zählt nur diese Erfahrung – für eine Viertelstunde. Entspannen. Loslassen. Abtauchen. Keine Termine, keine Hektik. Keine Konkurrenz, keine Konflikte. Keine bange Frage – wie schaffe ich das nur? Dann weckt die Yoga-Lehrerin ihre versammelten Zöglinge mit der Klangschale. Runter von der Matte. Zurück ins Leben. Auf zu neuen Taten. John Metcalfe kommt vom anderen Ende der Welt. Geboren und aufgewachsen in Neuseeland, fand er in London eine neue Heimat. Der 55-jährige Komponist sucht den richtigen Ton. Für sich und seine Zuhörerschaft. Der Bratschist entdeckt mit Hilfe der Musik die Welt, wandert durch

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Schiller. Punkt!

„Der ist allein glücklich und groß, der weder zu gehorchen noch zu befehlen braucht, um etwas zu sein.“ Stimmt das noch? Über zweihundert Jahre sind diese Worte alt. Damals gab es weder Trump, Twitter, Selbst-Optimierungsstrategen und digitalen Pranger. Die Gedanken sind frei, hieß es vielmehr. So einfach formulierte es dieser schwäbische Freigeist. Schiller sein Name. Er mochte das Pathos, liebte die Freiheit, kämpfte für seine Ideale. Als er 1805 starb, sollte er bald auf Berlins schönsten Platz – den Gendarmenmarkt – befördert werden. Doch das dauerte. Noch zu seinem hundertsten Geburtstag im Jahre 1859 verboten die Preußischen Behörden einen geplanten Straßenumzug – aus Angst vor Unruhen. Dennoch wurden Zehntausende Taler

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Zimmer frei

Anfang 1990. Ein Mecklenburger steht am Gartentor. Zigarillo im Mund. Er fixiert den Fotografen. Auf den ersten Blick wirkt der Mann misstrauisch-skeptisch. Dabei versprechen seine Schilder das pure Gegenteil: Gastfreundschaft und ein warmes Bett. „BRD-Bürger. Übernachtung kostenlos.“ Dreißig Jahre später lächeln wir über seine Offerte. Beim Nachdenken spüren wir wie sich die Zeiten geändert haben. Ob jemals ein Bürger aus der BRD das Angebot angenommen hat, wissen wir nicht. Was heute dominiert, das wissen wir wohl. Geschäftssinn statt Gastfreundschaft. Fremdeln mit allem Fremden, so tickt der Zeitgeist. Zimmer frei? – Umsonst? – Für Fremde? – Wer ein Nachtquartier sucht, der bekommt es heute nur für Zahlung im Voraus. Dreißig Jahre

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Wenn der Asphalt glüht…

…und der Aufzug stehen bleibt. Die U-Bahn stoppt. Das Internet schweigt. Alle Lichter verlöschen. Das Wasser aus dem Hahn versiegt. Dann herrscht der Black-Out. In New York, der Mutter der Städte, ist in diesen Sommer dieser Notfall bereits zweimal eingetreten. Die totale Havarie. K.O. in der 12-Millionenstadt, die nichts dringender in ihren Adern braucht als pulsierenden Strom. Einmal gingen in Manhattan die Lichter aus, auch am Time Square. Ein anderes Mal in Brooklyn. Stundenlang. Auch die Berliner kennen das. Manchmal trennen tollkühne Baggerfahrer zielsicher die Zufuhr mit lebensnotwendigem Saft aus der Steckdose, weil sie punktgenau die Hauptleitung lahmlegen.   Über den Dächern New Yorks. Cory Henry & The Funk Apostles.

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Zauber im Gutspark

Ein Sonntagabend im Juli. Das Theaterdorf Netzeband in der Prignitz, nördlich von Berlin. Eine gute Autostunde entfernt. Die Kindervorstellung ist beendet. Die Besucher abgereist. Auf den Terrassen vor der Kirche studiert der Regisseur mit Schauspielern und großem Eifer „Ellernklipp“ ein. Das neue Stück vom Alt-Meister Fontane. Der märkische Goethe reflektiert über Blumen-Unkraut. „Und wer den Todten Blumen streut, der streut sie, denk´ ich, auch den Lebenden.“ Fontanes Stimmen hallen lautsprecherverstärkt durch den Park. Auf der Wiese posieren junge Mädchen für ihre Smartphones. Sie schlagen Rad, bringen sich in Position, werfen ihren Kopf nach hinten, streichen sich verführerisch durchs Haar. Hände in die Hüften. Brust raus, den Kopf zur Seite, ein

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Der Tintensklave

Fontane? Mmmh. Dieser preußische Goetheverschnitt und Märkische Heimatdichter? Ein Fall für Gestrige und angestaubte Geister, sagen viele. Einer für Deutsch-Lehrerinnen und Männer-Gesangsvereine. Aber nichts für Menschen von hier und heute. Tja. Der Meister sagte über sich selbst, er sei „mit nichts ausgerüstet als einem poetischen Talent und einer schlecht sitzenden Hose“. Dieses Talent zu würdigen, schlägt des Dichters Geburtsstadt Neuruppin, eine Autostunde von Berlin entfernt, mächtig auf die Werbetrommel. Der 200. Geburtstag ist zu feiern, mit Worten, Taten, Ausstellungen, Inszenierungen und dem ganzen Gedenk-Gedöns. Fontane gibt es natürlich auch als Playmobil-Figur. Das kleine Neuruppin geht den großen Fontane 2019 sehr ambitioniert an. Nicht was der Dichter geschrieben hat, steht im

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