Bruce Hornsby. Foto: Jim Chapin

„The way it is“

Der Mann am Klavier ist keine dreißig, verkriecht sich in der Garage und schreibt auf, was er in seiner Kleinstadt Williamsburg sieht, hört und erlebt: The way it is. Wir schreiben das Jahr 1986. Bruce wächst wohlbehütet auf. 15.000 Einwohner, gepflegte Vorgärten, US-Südstaaten-Idylle. In Virginia heißt es nur: „So ist das und so bleibt das!“ Quasi Gott gewollt. Bruce Hornsby eifert seinem Idol Bob Dylan nach, lässt sich von seinem Protestsong „Girl from the North Country“ anregen. Bruces Botschaft ist einfach: „Glaubt das nicht!“ Ausgrenzung, Diskriminierung und weiße Willkür sind keineswegs gottgegeben, auch wenn es manche sonntags predigen. Vor genau vierzig Jahren geschieht das kleine Wunder von Williamsburg. Der Südstaaten-Boy landet einen Welthit.

 

 

„The Way It Is“ ist der erste Song mit seiner Band und erstürmt Weihnachten 1986 die Charts. Weltweit. Rapper wie E-40 und Mase covern seine Hymne. 2019 räumt Pianist Bruce Hornsby ungläubig ein: „Das war ein wundervoller Zufall. Es war ein Song über Rassismus mit zwei improvisierten Solos. Das ist wohl kaum das Rezept für Pop-Erfolg.“ Im Laufe der neunziger-Jahre experimentiert Hornsby, weg vom Mainstream-Pop. Er orientiert sich an Bluegrass, jedoch immer häufiger am Jazz oder wagt Ausflüge in die Klassik. Seine Live-Konzerte unterscheiden sich von denen anderer Bands. Statt fester Setlists kann das Publikum mitbestimmen, was am jeweiligen Abend auf die Bühne kommt.

Bruce und seine Band, die Noisemakers feiern Improvisationen, gerne über eigene bekannte Titel. „Kreativ zu sein, Musik im Präsens zu machen, darum geht es uns live. Ich schreibe Songs, wir machen Platten und dann werden die Platten der Ausgangspunkt, die grundsätzliche Blaupause, das grundsätzliche Arrangement.“  Hornsby steigt zusätzlich als Live-Mitglied bei Grateful Dead ein, jammt mit Pat Metheny oder Eric Clapton. Er gewinnt eine treue Fangemeinde, die es ihm ermöglicht, auf seinen Solo-Alben immer wieder Neues auszuprobieren. Hornsby beherrscht viele Genres. Manche sagen, er könne sich musikalisch nicht wirklich entscheiden, was er will. Tja. Anything goes.

 

 

Nachdem es lange still um ihn wurde, startet Hornsby kurz vor der Corona-Zeit seine zweite Karriere. Auf Absolute Zero“ sammelt Hornsby einmal mehr unterschiedliche Musiker um sich, so yMusic, Blake Mills oder Robert Hunter. Das Album ist „eines der meistgefeierten in Hornsbys Karriere“, lobt das kritische Musik-Portal Laut.de. In diesen Tagen erscheint Indigo Park, sein mittlerweile wohl 25. Album. Es ist ein typischer Hornsby-Mix: Zehn Songs, die locker Anklänge von Pop, Folk, Jazz und Beats zum Tanzen bringen. Anspruchsvoll, eingängig und zeitlos, mit prominenten Gästen wie Ezra Koenig (Vampire Weekend) und Bonnie Raitt. Mein Favorit: Sliver of time. Einen Augenblick Bruce. Der bescheidene wie vielseitige 71-jährige Pianist aus dem Süden der USA weiß: Nichts muss bleiben, wie es ist.

 

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