Eintritt frei
Vor genau hundert Jahren entwarf der Autor und Grafiker Werner Graul das Plakat für den Zukunftsfilm Metropolis, eine Antwort auf Hollywood. Jetzt führt uns US-Künstler Mike Winkelmann auf das nächste Level. Roboter übernehmen die Regie: Die Hunde sind so groß wie Cocker-Spaniel und tollen im Laufstall herum. Ihre Körper sind fleischfarben, glatt und haarlos. Auf ihren künstlichen Körpern sind lebensechte Silikon-Köpfe montiert. Zu sehen sind die Tech-Milliardäre Mark Zuckerberg, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Elon Musk, der Gruselfaktor im Trio Infernale der KI-Giganten. Musk-Mann agiert clever mit kalten Augen und ohne herzerweichenden Hundeblick. Mit dabei sind die Kunstgiganten Andy Warhol und Altmeister Pablo Picasso. Als Bösewicht bellt Kim Jong-un im Geviert, der kompakte und beleibte Diktator aus Pjöngjang. Das gebannte Publikum in der Berliner Neuen Nationalgalerie zückt sofort die Smartphones.
Die künstlichen Roboterhunde, die „Regular Animals“, beobachten ihre Besucher mit Hilfe eingebauter Kameras. In einem fort produzieren sie statt Hundehäufchen Fotos aus ihrem Allerwertesten. „Hyperflesh“ nennt sich diese Horrormasken-Performance mit einem Mix aus Robotertechnik, Kunst und Provokation. Der Vater der Hunde-Performance ist der US-Digitalkünstler Mike Winkelmann alias Beeple. Ist seine Arbeit ein neuer zynischer Zeitvertreib für eine verwöhnte Kunstszene? Aktionskünstler Beeple entgegnet: „Unser Weltbild wird von Tech-Milliardären beeinflusst, die mächtige Algorithmen kontrollieren. Sie entscheiden, was wir sehen und was nicht. Und sie müssen dafür nicht vor die UNO treten oder vor den Kongress. Sie können einfach morgens aufwachen und den Algorithmus verändern.“
Mittlerweile gilt für immer mehr Menschen eine neue Maxime: Mach nicht, was ChatGPT will, sorg dafür, dass der Computer das macht, was du willst. Der weltweit erfolgreiche Performer Winkelmann will mit seinen Roboterhunden wachrütteln: „Man hört Leute immer sagen, dass Künstliche Intelligenz keine Seele habe. Natürlich hat sie keine Seele. Sie ist ein Computerprogramm“. Dennoch betont Winkelmann: „Wenn sich die KI weiterentwickelt, werden wir ihr in Zukunft immer mehr menschliche Eigenschaften und Emotionen zuschreiben. Mit meinen Skulpturen versuche ich, die Seltsamkeiten, die auf uns zukommen, vorauszusehen.“

Nutze wieder Deinen Verstand. Die Egeria-Grotte in Rheinsberg. Bei freiem Eintritt kann die Nymphe der Klugheit jederzeit besucht werden. Quelle: spsg. P-M. Bauers
Die Tech-Elite um Bezos, Musk und Zuckerberg verspricht im Gleichschritt mit Donald Trump „Wohlstand für alle“ und ein „Goldenes Zeitalter“. Maschinen nehmen Menschen die Arbeit ab, heißt es, und Roboter erledigen „alles besser, schneller, billiger“. Arbeit wird zur Option, nicht mehr zum Alltag. Ein „allgemeiner Überfluss“ ersetzt das Prinzip von Mangel und Konkurrenz. Die KI-Marketing-Methode ist genial einfach und perfekt: Wir füttern die Tech-Riesen freiwillig und mit jeder Dateneingabe, die wiederum mit jeder neuen Information reicher und mächtiger werden.

Der römische König Numa Pompilius holte sich bei Egeria Rat für gerechtes und gutes Regieren. Quelle: spsg. P-M. Bauers
Was tun? Vor zweieinhalbtausend Jahren pilgerte der damals mächtige römische König Numa Pompilius (717 – 672 v. Chr.) zur Nymphe Egeria, um Ratschläge für kluges und gerechtes Regieren einzuholen. Die römische Grotte der Nymphe Egeria ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Motiv für Malerei und Literatur. Im Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert findet die Egeria-Grotte an vielen Orten Nachahmung, so auch in der Nähe von Berlin. Für Friedrich Merz würde ein Wochenende im idyllischen Rheinsberg reichen. Und die ganz Großen? Was hindert die Tech-Masters of the Universe nach Rom zu pilgern, um endlich zur Vernunft zu kommen? Dort könnte Egeria helfen. Die Menschheit braucht Klugheit, Verstand und Gerechtigkeit. Dringend.
Mike Winkelmann alias Beeple. Animal Regular. Neue Nationalgalerie Berlin. Bis 10. Mai 2026. Freier Eintritt.
