NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG

ZDF-Redaktionsleiter: Auch unter Richard von Weizsäcker wurden Medien beeinflusst Auch unter Richard von Weizsäcker hat das Bundespräsidialamt offenbar Einfluss auf redaktionelle Inhalte genommen. In einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte „Aspekte“-Redaktionsleiter Christhard Läpple, dies habe er bei einem Dreh im Jahr 1987 erlebt Im Vorfeld des Honecker-Besuches drehte der ZDF-Redakteur beim Wachbataillon der Bundeswehr in Siegburg. In der Sporthalle auf dem Kasernengelände probte ein Musikkorps die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“. Der damalige Bundespräsident von Weizsäcker war zufällig zeitgleich für einen Truppenbesuch anwesend. Das Staatsoberhaupt, die ostdeutsche Hymne, gespielt durch Bundeswehrsoldaten im Vorfeld eines vor allem in CDU-Kreisen umstrittenen Besuches: Diese Szene hatte laut Läpple eine gewisse „Situationskomik“, auch wenn von Weizsäcker auf Fragen des Journalisten zur Bedeutung des Honecker-Besuches sehr diplomatisch geantwortet habe. Zurück im Bonner Studio – ohne das Material bis dahin gegenüber dem Sender erwähnt gehabt zu haben – empfing ihn der Studioleiter schon mit den Worten: „Herzlichen Glückwunsch, tolle Leistung – aber wir senden es nicht.“ Läpple kann sich dies nur so erklären, dass das Bundespräsidialamt nach dem Gespräch in Siegburg massiv Einfluss genommen habe. „Ob es der Bundespräsident oder sein Mitarbeiterstab war, kann ich allerdings nicht sagen“, so Läpple gegenüber der Zeitung. Das Interview mit von Weizsäcker wurde nie ausgestrahlt.

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