„Alte Liebe rostet nicht“ in Hoyerswerda

Altstadt Hoyerswerda. Sanierte, putzige Fachwerkhäuser. Rathaus, Marktplatz, stolzer kleinbürgerlicher Biedermeier. Meilenweit vom Plattenbau-Klischee entfernt. Ich will einen alten lindgrünen Trabi in einer sanierten Seitengasse fotografieren. Der Besitzer steigt misstrauisch in seinen kleinen Frosch auf vier Rädern und bremst direkt vor mir. Der Fahrer, ein Rentner samt Frau, spricht mich energisch an: „Was haben Sie da gemacht? Haben Sie im Auftrag der Stadt fotografiert, weil ich im Parkverbot stand?“ Der Ton ist grimmig. Ich erkläre ihm, ich sei ein harmloser Tourist aus Berlin und hätte das Motiv und sein Auto gut gefunden.

„Ach, so!“ Die Atmosphäre hellt sich auf. Sichtlich stolz beginnt er zu erzählen: „Am 24. Oktober 2014 wird mein Trabi 25 Jahre alt. Silberne Hochzeit! Stellen Sie sich das mal vor: 125.000 Kilometer Pannen- und unfallfrei.“ Zärtlich streichelt er sein Lenkrad, seine Frau lächelt stumm. Der rüstige Mann startet seinen Zweitakter, tuckert davon und grüßt mit einer bläulichen Abgaswolke. „Alte Liebe rostet nicht.“

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