Der König, der so viel kann

Die islamische Welt ist in Aufruhr. Überall fließt Blut. Überall Aufstände, Attentate, Bürgerkriege, Hinrichtungen, Massenmorde. Einfach unvorstellbare Gewalt im Namen Allahs. Es gibt derzeit nur wenige friedliche Inseln. Marokko ist so ein Hoffnungsträger. Zwischen Casablanca und Marrakesch, zwischen Tanger und Sahara scheint das Zusammenleben von Orient und Okzident zu funktionieren. Von westlicher Lebensweise und islamischer Gottesgläubigkeit. Woran liegt´s?

„Das liegt an unserem klugen König“, antwortet spontan Hamed, ein Reiseleiter, dem es dank der zahlreichen deutschen Touristen gut geht. „Der König sorgt für Brot, Lohn, Arbeit, Hoffnung und Zukunft“, sagt Teppichverkäufer Aladin aus Maknes. „Der König modernisiert das Land und alle haben etwas davon“, sagt der Teehändler in Casablanca. „Schauen Sie, wir haben eine hochmoderne Straßenbahn. Gerade ein Jahr alt. Wir verdanken das dem König.“

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Ein glücklicher Bürger Marokkos. Der Mann verkauft auf dem Gauklermarkt in Marrakesch gebrauchte Gebisse und sich selbst. Das Foto kostet 20 Dirham, das sind zwei Euro.

Dieser König muss ein wahrer Supermann sein. Er heißt Mohammed VI, ist 51 Jahre alt, verfügt über zwei Kinder und 17 Königspaläste, hat in Frankreich studiert und ist im Volk offenbar sehr beliebt. Mohammed VI eröffnet permanent Kindergärten und Schulen, baut Brücken, Flughäfen und moderne Kulturpaläste. Er hängt in jeder Amtsstube und hinter jeder Hotelrezeption. Der König ist überall.

Reiseleiter Hamed, ein zurückgekehrtes Gastarbeiterkind aus Frankfurt am Main ist überzeugt, der arabische Frühling sei in Marokko völlig überflüssig gewesen. Denn das Land lebe längst eine moderne Demokratie. Minderheiten würden akzeptiert. Muslime, Christen und Juden könnten friedlich und unbeschwert miteinander klarkommen. Es wird in seiner Reiseleiter-Welt klar, dass in seiner Heimat Marokko nur Milch und Honig fließen.

 

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Der Orient in Abendstimmung. Die Sahara bei Erfoud im Süden Marokkos. Eine Touristenattraktion mit Jeeps, Kamelen und weiblichen Rallye-Fahrerinnen.

 

Natürlich trügt dieses Bild. Auch in Marokko gab es Proteste, mit insgesamt neun Toten, so offizielle Quellen. Aber das Land blieb stabil. Es produzierte keine neuen Generationen von Fanatikern und Heilsbringern, ausgestattet mit dem Koran, Kalaschnikows und Bombengürteln. „Die Armut muss bekämpft werden. In den Slums entsteht der Terror“, erklärt Hamed und rückt seine Sonnenbrille zurecht. „Und der König kümmert sich bei uns um die Habenichtse“, schiebt er lächelnd nach.

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Auf nach Marrakesch! Das islamische Marokko ist ein friedlicher Gegenentwurf zu Syrien, Jemen, Libyen, Somalia, Irak, Afghanistan, Mali, Nigeria, Kenia…

 

Ein König für die Armen! Ein orientalisches Märchen? Hamed glaubt fest daran, dass es genau so und nicht anders ist.

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