Über eine Hassliebe

Be Berlin. Die Stadt an der Spree ist ein Ort, der Menschen zuverlässig anzieht, aufregt und auch wieder abstößt. Der Boom hält an. Trotz Flughafen-Fiasko und Flüchtlings-Chaos. Im letzten Jahr zog eine ganze Großstadt nach Berlin: 120.000 Menschen. Das ist einmal Göttingen, Ulm oder Wolfsburg. Darunter waren auch 40.000 reguläre Neubürger. Berlin wirkt weiter wie ein Magnet. Ist die deutsche Hauptstadt «romantisch wie Bullerbü, mondän wie die Côte d’Azur und weltstädtisch wie London», wie das Hochglanzmagazin «Geo special» befindet?

Von wegen! Berlin ist „zum Abkacken“, schreibt Kristjan Knall in seiner Kampfschrift 111 Gründe, Berlin zu hassen“. Er nimmt Berlin-Klischees unter die Lupe, streitet gegen „Eso-Hipster, Stammtisch-Sarrazins, Dit-wird-ma-ja-wohl-noch-sagn-dürfn-Sagern und Alpha-Prolls im 3er-BMW“. Natürlich ist Kristjan Knall ein Pseudonym und sein Buch ein einziges Pamphlet. Aber voller Wahrheiten, verspricht der Verlag, er zeige „die Stadt so, wie sie wirklich ist“.

9783862655625

Das Buch für alle Berlin-Einsteiger. Es soll Anfang März im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erscheinen.

 

Warum ist Berlin auf dem absteigenden Ast? Kostprobe Knall: „Weil die Spätis ausgemerzt werden. Weil Backpacker alles vollschwitzen. Weil Berlin verdorft. Weil Köter alles vollkacken. Weil der Görli das Mekka für ‚BILD‘-Leser ist. Weil Jesus raven geht. Weil Fixies Kinder zerfleischen. Weil Pädagogenpapis die Männlichkeit verraten. Weil ‚Tatort‘ Event ist. Weil die Hasenheide voll von Alpha-Kevins ist. Weil Stricken das neue Graffiti sein will.“

Hat der bekennende Berlin-Basher Recht? Ist die Stadt out? Damit liegt er gerade voll im Zeitgeist. Nach einer frisch veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sind Hamburg und München die beliebtesten Großstadt-Adressen. Erst dann folgt Berlin.

Und noch eine Überraschung: Auf der Negativliste der unbeliebtesten Wohnorte landet die Hauptstadt einsam auf Platz Eins. Es ist die Großstadt, in der die Deutschen am wenigsten gerne wohnen wollen. Fazit: Party in Berlin ja. Ständig dort leben, bloß nicht. Viele Befragte träumen vielmehr von einem Leben auf dem Lande. Ganz idyllisch, ohne nörgelnde Einheimische und Hundehaufen, ohne aufgedrehte Hipster und dem Szeneclub Berghain bis zum Abwinken.

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