„Merkel muss weg“

Das muss weg, sagte sich Irmela Mensah-Schramm im Mai 2016. Die rüstige Rentnerin nahm eine Spraydose, Farbe Pink, und verwandelte die Parole in einer Unterführung  in ein friedlicheres „Merke! Hass weg“. Dazu sprühte sie zwei Herzchen. Die siebzigjährige Berlinerin wurde beobachtet, angezeigt und in diesen Tagen vom Amtsgericht Tiergarten offiziell verurteilt. Bei Wiederholung drohen der engagierten Frau 1.800 Euro Geldbuße und eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Mit der grellen Farbe Pink habe sie wissentlich eine Sachbeschädigung herbeigeführt, argumentierte die übereifrige Staatsanwältin. Sie beharrte auf einer Bestrafung, obwohl das Gericht zu einer Einstellung des Verfahrens tendierte. Die Frau, die sich selbst einmal als Politputze bezeichnete, wäre damit vorbestraft. Dabei ist sie seit  dreißig Jahren unermüdlich in den Straßen Berlins unterwegs, um Hassparolen und Nazi-Schmähaufkleber zu entfernen.

 

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Irmela Mensah-Schramm. Jahrgang 1945. Geboren in Stuttgart. Seit dreißig Jahren in Berlin unterwegs.

 

Zweifelsohne ist Irmela Mensah-Schramm eine Überzeugungstäterin. Ihre Waffen: Ceranfeldschaber. Nagellackentferner. Dispersionsfarbe. Zivilcourage. Die gelernte Heilpädagogin hat mittlerweile über 130.000 Nazi-Parolen im Lande übermalt oder entfernt. Darüber führt sie penibel Buch. Warum? Weil aus Worten Waffen und aus Parolen Munition werden können, sagt sie. Hass-Graffitis sind für die Zehlendorferin ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Da müsse sie einfach einschreiten.

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Irmela Mensah-Schramm. „Ich gehe dagegen auf alle Fälle in Berufung“

 

Seit 1986 führt sie einen zähen einsamen Kampf um Sauberkeit im Straßenbild.  Dafür erhielt sie Schmähungen und Bedrohungen, aber auch das Bundesverdienstkreuz und zahlreiche Auszeichnungen. Wozu all das?  Irmela Mensah-Schramm: „Wichtig sind für mich Gespräche, die ich auch zu meinen Gegnern suche. Ich weiß aus Erfahrung, dass über bestimmte Dinge im Kollegenkreis oder in der Familie gesprochen wird und mein Verhalten mitunter Diskussionen auslöst – aber gerade das ist mein Anliegen.“

 

 

Doch manchmal gibt es kleine Erfolge: „Ich habe sogar erlebt, dass ich bei einem Zusammentreffen mit sympathisierenden oder bekennenden Nazis diese so in Verlegenheit brachte und sie – ohne Drohung gegen mich – schweigend weggegangen sind.“ Nun geht es also bald in höherer Instanz um Angela Merkel. Das Urteil muss weg, meint sie. Dafür will sie kämpfen und in Berufung gehen. Aufgeben ist nicht, sagt sie.

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