Hey Bots

Alle Jahre wieder ist Berlin die Kino-Hauptstadt der Welt. Knapp 400 Filme werden in den nächsten Tagen auf der Berlinale zu sehen sein. Glitzer und Glamour, Frust und Leid liegen nur einen roten Teppich entfernt auseinander. „Lebensbejahende Stoffe und Themen“ in schweren Zeiten verspricht Berlinale-Chef Kosslick im 67. Jahr. Tausende selbsternannte, selbstverliebte aber auch professionelle Filmkritiker werden die Darbietungen auf der Leinwand loben und zerlegen, verklären oder vernichten.

 

Berlinale 2017. Alles menschengemacht? 400 Filme, 18 im Wettbewerb. Am Ende ein Sieger.

 

Die Stunde der Entscheidung. Manchmal herzbeglückend schön, manchmal abgrundtief zerstörerisch. Das war schon immer so in der Welt der Stars, Sternchen und filmenden Sinnsuchern. Kritik ist das Salz in der Suppe. Doch nun tauchen in der Flut der Kritiken erste Texte auf, die von Robotern geschrieben werden. Genosse Computer verwandelt mit der Macht der Algorithmen Textbausteine in Rezensionen. Achtung: „Powered by Narrative Science“. Meistens wird die maschinengesteuerte Quelle verschwiegen.

 

Journalisten. Hannah Höch. 1925.

 

Das Verrückte. Der geneigte Leser merkt es kaum. Noch besser: drei aktuelle Studien in Schweden, Deutschland und in den Niederlanden kommen zu ähnlich überraschenden Befunden. Computertexte werden als „deutlich informativer und vertrauenswürdiger“ eingeschätzt. Aber eben „auch langweiliger“ als von Menschenhand geschriebene Texte. Die schwedische Untersuchung konzentrierte sich auf Sportthemen. Niederländische Wissenschaftler testeten zusätzlich Börsenberichte. Die Münchner Untersuchung ließ 986 Befragte Sport- und Finanzberichte bewerten. Unterm Strich: Roboter-Texte gelten bei Probanden als glaubwürdiger und vertrauenswürdiger.

 

Auf in die schöne neue Welt. Kinohelden der ersten Stunde: Charlie Chaplin und Jackie Coogan 1921.

 

Wird der Mensch überflüssig? Wann erhält der erste Robotertext den Pulitzer-Preis oder als digitaler Drehbuchautor den Oscar? Schreibprogramme wie Swiftkey nutzen beispielsweise Shakespeare-Wendungen. Der Plot für Berlinale oder Buchmessen-Berichterstattung. Alles ist programmierbar. Bots – die Kurzformel für den englischen Begriff Robot – manipulieren nicht nur in den Netzwerken. Sie erobern nun auch klassische Felder des Journalismus. Gibt es noch Rettung auf der Reise in die Schöne Neue Welt? Unbedingt. Maschinen kennen keine Emotionen. Weder Glücksmomente noch Phasen totaler Verzweiflung. Momente, in denen wirklich große Texte entstehen. Bots sind exakt so gut wie sie programmiert werden.

 

Dieser Text ist Menschengemacht. 100 Prozent. Ehrenwort!

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