Vom Berliner Unwillen

Jetzt kommt das Freiheits- und Einheitsdenkmal doch. Im Volksmund nur Einheitswippe genannt. Es ist der dritte Anlauf des Bundestages. Oder kippt die Wippe vielleicht doch noch? Das neue begehbare Denkmal soll das Schloss schmücken. Das Schloss heißt übrigens auch nicht Schloss, sondern Humboldtforum. 2019 soll der Neo-Preußen-Palast eingeweiht werden. Auf leisen Sohlen schleicht die politische Elite um den kolossalen Neubau. Nur in keine Fettnäpfchen stolpern. Kein Desaster wie beim Hauptstadtflughafen produzieren. Längst heißt es: Berlin kann alles – außer Bauen.

 

Die Wippe vor dem Schloss. 2007 beschlossen. 2016 gestoppt. 2017 erneut beschlossen.

 

Der zähe Ehrgeiz der Macher gilt der besten Adresse Berlins. Schlossplatz 1. Einige Jahrzehnte lang hieß der zentrale Ort der Stadt Marx-Engels-Platz. Was auffällt: Planer und Verantwortliche drängt es weder in Talkshows noch zu allzu offenen Bekenntnissen. Das 600-Millionen-Projekt soll möglichst geräuschlos in Berlins Mitte gestellt werden. Getreu der Devise: Die Zukunft im Sinn – die Vergangenheit als Vorbild.

 

Das Beliner Stadtschloss um 1900 in voller Pracht. (vor seiner endgültigen Sprengung 1950) Rechts vorne das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal. Hier soll das neue Einheitsdenkmal errichtet werden.

 

Der Schlossplatz war immer ein heiß umkämpftes und umstrittenes Gelände. Prestigebauten waren hier noch nie willkommen. Auffällig: Keiner der Hohenzollern fühlte sich jemals im Stadtschloss wohl. Das Glück war anderswo. Die Hausherren verflüchtigten sich lieber auf ihre Residenzen in Charlottenburg, Rheinsberg oder ganz besonders nach Sanssouci.

 

Friedrich II von Brandenburg (1413-1471) Genannt der „Eiserne“ oder „Eisenzahn“. Erster Schlossherr in Berlin.

 

Im 15. Jahrhundert beim ersten Schlossbau zeigten widerspenstige Berliner, was sie von den Plänen des damals regierenden Kurfürsten Friedrich II hielten. Nichts! Der brandenburgische Markgraf nur „Eisenzahn“ genannt peitschte sein Prestigeprojekt im Alleingang durch. Aufgebrachte Berliner fluteten daraufhin 1448 die Baugrube mit Wasser aus der nahen Spree. Außerdem verhafteten sie seinen unbeliebten Hofrichter Balthasar Hake und vernichteten alle Unterlagen.

Das Schloss verzögerte sich um ein paar Jahre, konnte aber nicht verhindert werden. Friedrich II, jener besagte Eisenzahn, errichtete sein Schloss am heutigen Platze. Der neue Prunkbau machte den hartherzigen Markgraf bei seinen Untertanen zu keinem Zeitpunkt beliebter. Die Proteste der aufmüpfigen Bürger gingen als „Berliner Unwille“ in die Chronik ein. Aber diese Geschichte ist über fünfhundert Jahre alt.

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