Schinkels Burn-Out

Wenn er Bühnenbilder entwarf, fühlte er sich glücklich. Karl Friedrich Schinkel liebte das Theater. Über vierzig Kulissen für Opern und Schauspielstücke stammen aus seiner Feder. Wenn er traumhafte Schlösser, Kathedralen oder Kaufhäuser entwerfen konnte, ruhte er in sich. Vieles blieb Vision, einiges wurde tatsächlich gebaut. Berlin ist voller Schinkel-Spuren. Vom Schauspielhaus am Gendarmenmarkt über das Alte Museum am Lustgarten bis zur Neuen Wache Unter den Linden.

 

Kaufhaus Unter den Linden. 180 Läden. Geplant auf dem heutigen Standort der Staatsbibliothek. Einer von Schinkels modernsten Entwürfe. (1827). Nie realisiert.

 

Die Welt durch zeitlose Schönheit veredeln, das war sein Ziel. Für viele ist der Sohn eines Neuruppiner Pastors der bedeutendste deutsche Architekt. Ein Meister des Klassizismus. Ludwig Mies van der Rohe, der Stararchitekt der deutschen Moderne, Anhänger der Maxime „Weniger ist mehr“, war gleichfalls ein Perfektionist bis ins Detail und ein glühender Verehrer Schinkels.

 

Susanne und Karl Friedrich Schinkel. (um 1807/09)

 

Als Schinkel (1781 – 1841) mit Anfang Fünfzig zum Geheimen Oberbaudirektor von Preußen ernannt wurde, konnte er wie kein anderer Einfluss auf das Baugeschehen nehmen. Er überarbeitete und korrigierte zahllose Entwürfe. Doch das wurde seine Crux. Er war für so ziemlich alles zuständig, von der Entwicklung, Betreuung bis zur Begutachtung repräsentativer Bauten. Sein Aufgabengebiet erstreckte sich von Aachen bis Königsberg. Die ständige Überarbeitung zeigte Spuren. Er litt unter „Brustbeklemmung“ und „heftigem Kopfschmerz“. So musste er Verpflichtungen und Hoffeste absagen. Der König reagierte verärgert. Zumindest genehmigte sein Dienstherr eine „Gehaltszulage“ und Hilfe in der Person eines „Assessors“.

 

Nikolai-Kirche in Potsdam. Eines der vielen Großprojekte Schinkels. „Aber die Akustik“, schimpfte der König.

 

Als oberster Baumeister machte sich Schinkel in Preußen keineswegs nur Freunde. Im Gegenteil. Die Zahl seiner Feinde wuchs. Einer der prominentesten Gegner war König Friedrich Wilhelm III. Als dieser 1839 bei der Einweihung der Potsdamer Nikolaikirche das neu erbaute Gotteshaus von Schinkel vorzeitig verließ, spottete er über die schlechte Akustik. Man habe nichts verstanden, nicht mal das könne Schinkel ordentlich bewerkstelligen. Er sei einfach ein unfähiger Baumeister.

Das war zwei Jahre vor Schinkels Tod. Zwar erhielt der Architekt eine ganze Reihe preußischer Auszeichnungen. Wirkliche Erfolge blieben jedoch zu Lebzeiten aus. Dabei arbeitete der Oberlandesbaudirektor Tag und Nacht. Er kämpfte mit Bauvorschriften, entwickelte Denkmalschutzvorgaben. Ein Workaholic, der schließlich ausbrannte. Das Reisen wurde lästig. Er starb im Alter von sechzig Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

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