Schlaflos in Pjöngjang (5)

4. Juni 2004

Wir sitzen bereits wieder in der komfortablen Lufthansa-Maschine von Peking nach Frankfurt. Auf den allerletzten Drücker haben wir den Anschlussflug von Pjöngjang erreicht. Der Abfertigungsschalter in Peking war bereits geschlossen. Sie haben uns dennoch über einen Seiteneingang durchgelassen. Glück gehabt.

Die Frühsommertage von Pjöngjang sind schon wieder Geschichte. Als VIP-Delegation kamen wir, als beeindruckte Gäste gingen wir. Nordkorea hat meine gesamte Gefühlspalette aktiviert: Faszination, Unverständnis, Verwirrung, Entsetzen. Wir haben die Kulissen eines Staates gesehen, doch hinter die Kulissen konnten wir nicht schauen.

 

Brautpaare posieren für den Fotografen. Der Juche-Tower im Hintergrund.

 

Die Söhne und Töchter von Kim Il Sung haben ihr Klassenziel erreicht. Sie haben uns ihr Land gezeigt, ohne dass wir ihr Land wirklich gesehen haben. Die Führung Nordkoreas präsentiert das harmonische Bild eines mutigen, selbstbewussten und  kämpferischen Landes, das trotzig und unverdrossen gegen den feindlichen Rest der Welt anzukämpfen hat. An diesem Bild malen in Nordkorea viele Kulissenmaler mit.

 

Metrostation.

 

Was bleibt?

Unser glitzerndes Hotel befand sich auf einer Insel. Unerreichbar für die Einheimischen. Entrückt der Realität für die Fremden. Unsere Funktionäre haben alles getan, um die Illusionen eines wohl geordneten Staates zu unterstreichen.  Pjöngjang ist uns nach fünf Tagen so nah gekommen und doch so fern geblieben. Da wir nur wenig selbst sehen konnten, nehmen wir mehr Fragen als Antworten mit nach Hause. Wir haben gelernt, vieles gesehen und doch nur wenig verstanden.

 

Möbeltransporte in Pjöngjang.

 

Klar ist: Das nordkoreanische Regime ist allgegenwärtig. Dennoch hören wir von Geschichten, die uns hinter vorgehaltener Hand erzählt werden:  Kinder werden nach acht Wochen von ihren Eltern getrennt. In den Hochhäusern gibt es ab der sechsten Etage kein fließendes Wasser. Es existieren sogenannte Verbotene Zonen mit Arbeitslagern. Die Nahrungsmittelreserven reichen für fünfzehn Tage. Die Menschen hungern nach wie vor. 20% der Kinder sind unterernährt. 40% der Kinder sind wachstumsgestört.

 

Akkordeonklasse im Palast der Jugend.

 

Was ist davon wahr, was nicht?

 

Fortsetzung folgt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.