Wer verdient was?

Das große Tabu. Was verdient die Freundin, der Chef oder die nette Kollegin von der Frühschicht? Tja. Wir wissen, dass Frauen im Schnitt gut zwanzig Prozent weniger verdienen als Männer. Aber wie ist es von gleich zu gleich, sozusagen auf Augenhöhe? Es bleibt in der Regel ein großes Geheimnis. Bloß keinen Neid schüren, wiegeln wortstark die Vertreter von Diskretion ab. Bitte Abstand halten. Leistung muss sich lohnen.

 

Der große Traum. Am Ball sein. Sorglos leben. Bewundert werden.

 

Manchmal erfahren wir von einzelnen Eskapaden. Vor einiger Zeit veröffentlichten Medien dank Football-Leaks Gehälter und Prämien von Mitarbeitern der Fußballbranche Ein Torwarttrainer verdient demnach mehr als der Filialleiter einer Bank. Ein einfacher Ersatzspieler kassiert in einer Saison mehr als der Klempner in seinem ganzen Leben. Ein Spielerberater bezieht für einen einzigen Transfer mehr als einem mittelgroßen Krankenhaus für seine Patienten im ganzen Jahr zur Verfügung stehen.

 

Jeder Ersatzspieler im Profigeschäft verdient mittlerweile mehr als ein Fließenleger in seinem ganzen Leben.

 

Der Brasilianer Neymar erhielt für seinen Wechsel von Barcelona nach Paris St. Germain 222 Mio Euro. Ein Spitzenwert. Bleiben wir im Krankenhaus-Vergleich: Nur wenig mehr kostet ein kompletter Neubau in Frankfurt. Jener Fußball-Gott Neymar verfügt über ein Grundgehalt von drei Millionen im Monat. Ein durchschnittlicher Bundesliga-Spieler wie Lewis Holtby vom Krisenclub HSV verdient laut Football Leaks im Monat 291,666,77 Euro. Die Krankenschwester, die ihn nach einer Verletzung pflegen müsste, darf sich mit 2.350,- Euro brutto zufrieden geben.

 

Eine alte Faustformel. Wer mit den Händen arbeitet, wer hilft oder pflegt, muss sich mit kargen Lohn begnügen.

 

Wer etwas leistet, soll sich etwas leisten können, heißt es. Angela Merkel stehen im Monat 25.900,- Euro zu. Jeder deutsche Sparkassenvorstand verdient deutlich mehr. Spitzenkräfte in Hamburg liegen bei 70.000 Euro, die Sparkasse in Köln zahlt ihrem Chef sogar ein Monatsgehalt von über 90.000. Der Direktor regiert zwar kein Land, ist jedoch wer: der Sparkassen-König von Köln.

Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Keinen Gott verehren moderne Menschen mehr als den Gott des Geldes. Kaum einer hat so intensiv über diesen Gott nachgedacht wie ein bürgerlicher Gelehrter aus Trier. Hoch gebildet aber ständig klamm. Sein Name: Karl Marx. Im Londoner Exil schrieb er einen seiner Bettelbriefe an Freund Friedrich Engels. Er war Fabrikdirektor aus Manchester: „Seit einer Woche habe ich den angenehmen Punkt erreicht, wo ich aus Mangel an den im Pfandhaus untergebrachten Röcken nicht mehr ausgehe und aus Mangel an Kredit kein Fleisch mehr essen kann. Das ist alles nur Scheiße, aber ich fürchte, dass der Dreck einmal mit Skandal endet.“

 

Geld ist das moderne Opium. Macht es abhängig? Oder frei?

 

Karl Marx wurde vor genau 200 Jahren geboren. Er hinterließ auf 900 Seiten sein Kapital. Drei Jahrzehnte hat er daran herumgedoktert. Immer wieder musste er beim Onkel, so hieß der Pfandleiher im Hause Marx, den Gehrock in Papier und Tinte eintauschen. Nun ist sein Werk UNESCO-Welterbe. Im Mai enthüllt Marx Geburtsstadt Trier ein fünf Meter fünfzig hohes Bronze-Denkmal. Das nötige Kleingeld dafür kommt aus Peking, von seinen chinesischen Fans. „Die Anzahl der Neider bestätigt unsere Fähigkeiten“, würde Oscar Wilde anmerken. Ein später Zeitgenosse von Marx, der gleichfalls in London – der Stadt des großen Geldes – sein Glück suchte … und dort auch fand.

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