Going, Going, Gone

Eins, zwei, drei. Fertig ist der Hype. Banksy hat es geschafft. Wieder einmal. Er kann die millionenfach geteilte Aufmerksamkeit genießen. Sein Mädchen mit dem Ballon hat sich in Streifen aufgelöst. Ein geschreddertes Kunstwerk im Moment des absoluten Höhepunkts – in der Sekunde des Zuschlags bei Sothebys in London. 1.2 Millionen Euro werden vor den Augen der Weltöffentlichkeit einfach pulverisiert. Die Smartphones des Publikums laufen heiß.

 

 

Mehr geht nicht. Denn längst pfeifen es die Spatzen des Kunstbetriebs von den Dächern. Der Zerstörungsakt von Banksy könnte für das Werk eine Wertsteigerung um das Doppelte erzielen. Das Mädchen mit dem roten Ballon hebt endgültig ab. Street-Art-Künstler Banksy hat der zahlenden Kundschaft wieder einmal den Spiegel vorgehalten. Perfekt. Ein Narr, der meint, hier könnte es sich um eine gelungene gemeinsame Inszenierung von Künstler und Auktionshaus handeln.

Was zählt, ist Aufmerksamkeit. Banksy verbreitet kurz nach der Aktion ein Filmchen. Darin wohlfeiler Protest. Dann zitiert er Meister Picasso. Es passt so wunderbar zur Unterhaltung der Bussi-Bussi-VIP-Society: „Der Drang zu zerstören ist auch ein kreativer Drang.“ Chapeau, Banksy. Das war ein Meisterstück. Die bürgerliche Gesellschaft braucht und liebt ihre Hofnarren. Eigene Abgestumpftheit, Langeweile und Leere können durch (gekaufte) Leidenschaft, Lebensfreude und Kreativität ersetzt werden.

 

 

Applaus, Applaus. Die Geschäftsidee: Mangel erzeugt Hunger, Neugier, Sehnsucht, Liebe. Durch Mangel oder langes Warten kann die Lust oder das Glücksgefühl gesteigert werden. Nur das knappe Gut ist kostbar und teuer. „Willst du etwas gelten, mach dich selten“, reimt der Volksmund. Banksy hat verstanden. Er liefert. Sein Geheimnis: Er bleibt anonym.

 

Banksy. Heißt er Robert?

 

Jede Epoche hat genau die Kunst, die sie verdient. Die Kurse im kommerziellen Kunstbetrieb explodieren in diesen Tagen in ungeahnte Höhen. Nur übertroffen vom Boom in der Immobilienbranche. Going, going, gone: Die Party erreicht ihren Siedepunkt. Bald gibt es einen Banksy für zwei, drei Millionen. In Streifen oder am Stück? Egal. Bleibt nur noch eine Frage: Ist der große Unbekannte nun ein virtuoser Kämpfer gegen das System, wie er vorgibt, oder einfach dessen genialster Vertreter?

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