Paris im Mai 1968 ddp/ap

Unter dem Pflaster der Strand

Die Welt verändern. Aus den Angeln heben. Wie hieß es noch? „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“.  Ein halbes Jahrhundert ist es nun her. Die Helden von damals sind alt geworden. Heute heißt es Ruhestand, Reha und Rollator statt Revolte, Sex, Drugs and Rock´n Roll. Die vielbeschworenen und heftig verdammten „68er“ sind mittlerweile um die achtzig geworden.

Die vier „68er“, die wir getroffen haben, sind hellwach, engagiert und hochpolitisch geblieben.  Einer aus dem Quartett erweist sich bis heute als auffallend extrem, wechselte jedoch komplett die Seiten: Horst Mahler. Vom Faschismus-Feind zum Hitler-Verehrer. Mahler blieb uns ein großes Rätsel.

 

 

Die Revoluzzer von 1968 hatten große Pläne und große Sprüche: „Brecht dem Staat die Gräten – alle Macht den Räten.“ – „Macht kaputt, was euch kaputt macht.“ Sie wollten ein freieres Miteinander, überlebte Traditionen abschaffen. Sie erzielten helle Momente wie eine grundlegende Erneuerung der Gesellschaft, naive Verwirrungen wie das blumenkinderhafte Laisser-faire und gewaltige Irrtümer wie der Weg in dogmatische Splittergruppen oder blutigen RAF-Terror.

 

Wibke Bruhns 2018. Foto: Heinz Kerber

 

Keine Generation in der bundesdeutschen Geschichte ist so gescheitert und hat doch so viel verändert. Glücksfall für die einen, Irrlichter für die anderen.

 

Hans-Christian Ströbele 2018. Foto: Heinz Kerber

 

Fünfzig Jahre danach, 2018, erleben wir einen Kulturkampf von rechts. Es heißt, Deutschland sei ein durchgeknallter „Hippie-Staat, der nur noch von Gefühlen geleitet wird“ und sich nicht mehr an das Recht hält (Anthony Glees, britischer Politologe). Es gelte die „Herrschaft des Unrechts“ zu beenden. Die Anti-68er von heute versuchen die Uhren der Geschichte und Gesellschaft auf die Zeit vor 1968 zurückzudrehen.

 

Horst Mahler 2018. Foto: Heinz Kerber

 

Wir haben in diesem Jahr Horst Mahler und Wibke Bruhns, Hans-Christian Ströbele und Alice Schwarzer beobachtet und befragt. Was bleibt von 1968? Ein Mythos? Oder vielleicht doch mehr? Die Antworten überraschen.

 

Alice Schwarzer 2018. Foto: Heinz Kerber

 

Großer Dank an mein Team um Heinz Kerber (Kamera), Jan Dottschadis (Schnitt), Alexandra Bidian (Recherche), Jutta Melsheimer & Kai Hofmann (Grafik, Firma Bildbad) und Ferdinand Schaalburg (Produktion). Betreut wurde die ZDF-Info Produktion von den Mainzer Redakteuren Paul Amberg, Susanne Krause-Klinck und Christian Deick.

ZDF. 17. Oktober 2018. 00.45 Uhr. (45 Minuten)

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