Im Auge des Betrachters. Geralt

Tl; dr

Die Überschrift – ein Rätsel? Funde aus vergangenen Zeiten? Eine chemische Formel? Nichts verstanden? – Da kann geholfen werden. Hier grüßt der digitale Zeitgeist. Tl bedeutet too long – dr = didn´t read. Kurzum: Wenn Geschichten zu lang sind, werden sie nicht gelesen. So einfach ist das. Kein neues Phänomen, aber ein neuer Name. Wenn Texte langweilen, steigt die geneigte Leserschaft aus. Oder fängt erst gar nicht an. Die User im Netz sind höchst sensibel, nervös und ungeduldig. Die nächste News, der nächste Spot. Wisch und weg.

Das hohe Gut Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource. Was tun? – Trotzig dagegen halten? Oder mitsurfen und nach Schlagzeilen schielen? Die Klicks und Likes versprechen? Google verspricht schnelle Hilfe. In jeder Lebenslage und Frage. Aufbruch in Berlin, heißt es nun. Eine bunte, analoge Broschüre des Internet-Konzerns feiert auf Papier (!) unser täglich digitales Brot als unverzichtbares Lebensmittel. Als Heil und Heilung. Als Wahrer des Guten, als Kämpfer für eine bessere Welt.

 

Aufbruch Berlin. Google pflegt sein Image.

 

Die Google-Mitarbeiter sind cool, smart, divers, feministisch, international, innovativ, weltoffen. Google-like eben. Sie tragen dezent-legere Kleidung, modische Zöpfe und ticken 24/7 im Gründer-Modus. Das Leben als Startup. Sie forschen über Künstliche Intelligenz, vernetzen sich in Coworking-Spaces und produzieren rund um die Uhr Event- und Podcasts-Reihen. Ihre Abteilungen heißen Cloud, Lokalisierung, Marketing, Google Play, Policy, Sales, Google for Startups, youtube.

 

 

In Kreuzberg unerwünscht. In Berlin-Mitte zuhause. Google in Deutschland. Auf Imagekampagne.

 

Too long? Gut möglich. Nur noch ein Gedanke. Über eine Googlerin heißt es: Sie sei Mutter und Feministin, Nachrichtenjunkie und Twitter-Pionierin. Fakten-Checkerin und Womanwill-Netzwerkerin. Ihr Motto: „Sie kann einfach nicht genug bekommen.“ Kreuzberg wollte Google nicht. Die Neue Heimat der schönen Google-Welt befindet sich nun in Berlin-Mitte, in der Tucholskystraße. Die Räume sind modern, nachhaltig und hübsch aufgemöbelt. Früher war dort die Geburtsklinik der Charité. Täglich kam neues Leben in die Welt. Und heute?

 

Too long? 2.004 Zeichen. Lesedauer: 2 Minuten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.