Marmax. Regentag

Landregen

Wie wäre es mit einem langen, ergiebigen, auf Dächer und Fensterscheiben platternden Regen? Nicht generiert auf der App „Rainy“ oder „Relax“ zum besseren Einschlafen. Nein. Vielmehr in der wirklichen Wirklichkeit. Im richtigen Leben. Landregen hieß es bei den Großeltern, wenn es mehr als sechs Stunden gleichmäßig aus dunkel-grauen Wolken tröpfelte, goss und plätscherte. Wenn Regen über das Land hinwegzog. Und einfach verweilte. Kein Starkregen. Keine Unwetter mit tennisballgroßen Hagelkörnern. Nein, einfach ein stiller, langanhaltender, unspektakulärer Dauerregen.

Bereits im zweiten Sommer in Folge erweist sich diese Form von Landregen als äußerst sparsam und zurückhaltend. Petrus verweigert in weiten Regionen des Landes seine Dienste. Da kann die Wetter-App vorab noch so viel versprechen, meist bleibt der feuchte Segen von oben aus. Welche Wohltat wäre es für Garten und Flur, welche Hilfe für verbrannte, ausgezehrte, versteppte Natur. Landregen – was für ein angenehm altmodisches Wort! Ohne Wasser kein Leben. So einfach sind die Regeln, nicht nur in der Sahel-Zone.

 

 

Uns bleibt derzeit nur der Griff ins digitale Archiv, um das Lob auf den Regen wenigstens musikalisch zu unterstreichen. Auf Mallorca komponierte vor fast zweihundert Jahren Frédéric Chopin seine zweite Klaviersonate. Genau die mit der berühmten Feier des Regentropfens. Lasst uns seine Regen-Fantasie genießen, in der Hoffnung, dass Musik uns lehrt, Freude und Demut für die Natur und ihre Launen wiederzuentdecken. Ohne sofort wieder auf das Smartphone zu starren. Ohne dessen Wetter-Prognosen heutzutage kaum noch jemand seinen Fuß vor die Haustür setzt. Man könnte ja im Regen stehen. Oder gar nass werden.

Genau. Singing in the rain… noch so ein wunderschönes Lied. Ein Lobgesang auf das frisch verliebte, feucht-fröhliche Vergnügen im Dauerregen. Ein Song zur Freude der Allergiker und Stärkung der Regenschirm-Branche, die in diesen trockenen Zeiten ohnehin unter Umsatzrückgang zu leiden hat. Gene Kelly macht es vor. Was schert ihn schon die prasselnde Himmelskraft. Wenn es lauter Glückshormone regnet.

 

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