Piano. Jazz_rodv

Im Hufschlag der Pferde

„Take Five“. Nimm den Fünfvierteltakt. Was für ein Geniestreich! 1959 bringt das weitgehend unbekannte Bruback-Quartett statt im üblich Vier-Vierteltakt ein Album im Fünfer-Rhythmus auf die Bühne. Eine kleine Revolution, ein großer Welterfolg. Was für ein Kontrast! Auf der Bühne sehen wir vier Herren in brav-biederen CIA-Anzügen, mit Kassenbrillen, schmalen Krawatten und in frisch geputzten Schuhen. Am Flügel David Bruback, als spießiger Mittelklasse-Mainstream-Musiker belächelt. Sein Jahrhunderthit „Take Five“ beschert ihm Weltruhm. Vor genau 100 Jahren wurde er als Sohn eines Cowboys in Kalifornien geboren. Bruback über seine Wurzeln: „Der Hufschlag des Pferdes ergab einen Rhythmus, und da kamen einige dieser polyrhythmischen Ideen her.“

 

 

David Bruback. Vater Vierzüchter. Mutter Klavierlehrerin. Drei der sechs Kinder widmen sich der Musik. Dave versucht sich an Strawinsky, spielt mit dreizehn aber lieber in einer Jazz-Band. Er perfektioniert sein Klavierspiel mit versetzten Blockakkorden. 1944 spielt er als Frontmusiker für verwundete US-Soldaten in Frankreich. 1951 gründete er sein Dave Bruback Quartet. Er ist der Motor eines neuen Quartetts, in dem das wunderbare Altsaxofon von Paul Desmond so verletzbar klingt. Dave: „Wenn zwei Musiker füreinander bestimmt waren, dann Desmond und ich.“  1959 schaffen die fantastischen Vier mit ihrem Album Time Out den Durchbruch. Die Auskopplung Take Five umrundet im Fünfviertel-Beat die ganze Welt.

 

 

Time Out wird das erfolgreichste Album der Jazzgeschichte. Take Five katapultiert den stillen Pianisten in die erste Liga der Jazz-Größen. Er tritt mit Größen wie Louis Armstrong oder George Gershwin auf. 1967 löst er seine Band jedoch wieder auf. Das war´s. Was ihn auszeichnet? Der Westcoast-Musiker engagierte sich zeitlebens gegen Ausgrenzung und Diskriminierung. Er verteidigte in den späten fünfziger Jahren seinen schwarzen Bassisten Eugene Wright gegen alle Anfeindungen. Für ihn zählte allein Musikalität, nicht die Hautfarbe. Ob in der Frontband in Frankreich oder in seinem Quartett.

 

Jazzlegende David Bruback (6.12.1920 – 5.12.2012) im Jahre 2008. Quelle: Wikipedia

 

Dave Brubeck starb im Dezember 2012 im gesegneten Alter von 92 Jahren. Sein neuer Fünferrhythmus hat alle Zeitgeistmoden und Kritiker überlebt. Sie schmähten ihn damals als Himbeerjazzer und seichten Unterhaltungsmusiker. Take Five lebt. Vieltausendfach variiert und immer wieder neu interpretiert. Bis heute.

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