Eva Cassidy. 1963 - 1993.

What a wonderful world

Die Frau ist ein echtes Phänomen. Sie veredelt Cover-Versionen wie geschickte Hände Rohdiamanten in Schmuckstücke. Sie interpretiert berühmte Songs und präsentiert sie besser als die Originale von Sting, Cindy Lauper oder Louis Armstrong. Berühmt wird die schüchterne Sängerin erst nach ihrem frühen Tod. Ihr Name: Eva Cassidy aus Washington D.C. Ihr einmaliges Geschenk: eine klare, unglaublich gefühlvolle, unverwechselbare Stimme. Sichert Euch Taschentücher, wenn sie Over the Rainbow oder Time after Time anstimmt. Evas Lieder sind für die Ewigkeit. Eine Stimme für die vielen Menschen ohne Stimme. Für die Einsamen und Kranken und für alle, die mit ihrem Schicksal hadern. Und für den großen Rest, der einfach gute Musik mag.

 

 

Geboren im Februar 1963 in der US-Hauptstadt Washington, wächst Eva Cassidy als drittes von vier Kindern in einer einfachen, hochmusikalischen Vorortfamilie auf. Vater Hugh ist beim US-Militär, Mutter Barbara eine Deutsche, die er aus Rheinland-Pfalz mitgebracht hat. Mit neun Jahren gibt Vater Hugh Tochter Eva Gitarrenunterricht. Es folgen erste kleine Auftritte: Hausmusik in der Familie mit Gesang und Gitarre, in der Schule oder bei Festen. Eigentlich will Eva Malerin werden, als Brotberuf lernt sie Gärtnerin. Musik ist eine Option, die sie schätzt; ihr größter Traum einmal mit Stevie Wonder auf einer Bühne zu stehen.

Eine Zusage des California Institute of the Arts muss sie absagen. Dazu fehlt das Studiengeld. So singt sie weiter in Garagen oder Übungskellern und verdient ihre Brötchen als Gärtnerin in Beltsville. Unverdrossen tingelt sie mit ihrer Band BTS auf Hochzeiten, Straßenfesten oder in Cafés. Die großen Plattenfirmen zeigen nur die kalte Schulter. Viele Jahre gilt Eva als Geheimtipp, der ab und an von kleinen Radiosendern gespielt wird. Alle Versuche, das blonde Talent im Musikgeschäft zu etablieren, scheitern.  „Kommerziellen Scheiß“ (“commercial crap”) mag sie nicht singen, folglich: keine Chance im harten Musikbusiness.  Als endlich ein Produzent einen Vertrag anbietet, geht dieser gerade sang- und klanglos pleite.

 

 

Eva ist dreißig, als ihr 1993 nach Schmerzen ein Melanom (Hautkrebs) am Rücken entfernt wird. Mit Nachkontrollen nimmt sie es offenbar nicht genau. Im Sommer 1996 arbeitet sie an einer Wandmalerei in einer Grundschule. Plötzlich leidet sie an heftigen Schmerzen an der Hüfte. Eine Untersuchung ergibt einen Beckenbruch, verursacht durch Tumorzellen. Der Krebs hat sich außerdem in der Lunge festgesetzt. Im Herbst 1996 organisieren Freunde ein Benefizkonzert für die schwerkranke Eva. Am Ende des Abends verabschiedet sich Eva Cassidy mit ihrer Version von What a Wonderful World. Die erzielten Spendeneinnahmen stellt sie anderen Patienten zur Verfügung. Am 2. November 1996 erliegt Eva Cassidy ihrem Leiden. Sie ist 33 Jahre alt geworden.

 

 

Was für eine wunderbare, was für eine schreckliche Welt! Im Jahr 2000 gelingt Eva Cassidy in England mit dem Sting-Klassiker Fields of Gold posthum der große Durchbruch Vier Jahre nach ihrem Tod erobert ihre Stimme weltweit die Charts. 2007 erscheint What a wonderful world als Single, einst aufgenommen bei einer Wohltätigkeitsgala des Roten Kreuzes. Eva Cassidy sagte einmal, bescheiden wie sie war: „Ich habe den einfachsten Job der Welt. Alles, das ich tun muss, ist singen und Gitarre zu spielen.“

 

 

Freunde haben mich auf die Sängerin Eva Cassidy aufmerksam gemacht. Eine Entdeckung, die – nicht nur – mein Leben reicher macht.

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