Opas gegen links
„Jetzt ist die Stunde der Rentner. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Sie müssen auf die Straße gehen“, fordert Peter Hahne, 73 Jahre alt. Der mediengestählte Diplom-Theologe, Ex-ZDF-Moderator und Bestseller-Autor meint, es sei höchste Zeit für so etwas wie Opas gegen links. Der Fernsehpfarrer sieht größte Not. „Unser Land wird umgekrempelt. Ich will das nicht!“ Freundlich im Ton, kämpferisch in der Sache jammert der Mann im Unruhestand: „Ich will unser altes Land zurück. Das gute alte Deutschland. Normal soll es wieder werden.“ Normal ist bei ihm ein wichtiges Wort. Hahne – jetzt ein Rentner-Rebell? Einer der alten, zornigen Männer, die unter Bedeutungsverlust leiden? Die vom Weltuntergang reden, wenn, ja wenn nicht endlich auf sie gehört wird?
Peter Hahne war im ZDF viele Jahre mein geschätzter Kollege. Auf dem Nachtisch meiner Mutter lag eines seiner vielen Lebensmut-Bändlein. Über sechs Millionen seiner Besinnungs- Kalender- und Streitschriften-Exemplare hat er verkauft. Meine Mutter mochte ihn, den netten Mann vom Fernsehen. Er kann so schön reden, sagte sie, und sei ein freundlicher Mensch. Sie war sogar auf einer seiner Lesungen, vor vielen Jahren. Meine Mutter ist längst tot. Peter Hahne zieht weiter durchs Land, derzeit von Plauen nach Weißenfels. Tausende hören ihm zu. Seine Botschaft ist einfach: Deutschland retten! Vor Merz, Merkel, Klingbeil, den Grünen und dem linken Zeitgeist. Sein jüngstes Buch heißt: „Warum macht ihr uns kaputt? Wie wir unsere Zukunft verspielen“.
Peter Hahne betont, er sei nicht rechts abgebogen. Das müsse er auch nicht, denn er sei von Jugend an konservativ und rechts gewesen. „Ich hatte einen linken Lehrer.“ Der Sohn eines Drogisten aus Minden wollte eigentlich Pfarrer werden. Er studierte Theologie, landete jedoch bei ARD und ZDF. Dort machte er Karriere. Viele Jahre bis zu seinem Ruhestand 2017. Seitdem zieht er rastlos gegen die Öffentlich-Rechtlichen durchs Land. ARD und ZDF würden eine andere Welt zeigen. „Nicht die Realität.“ Er wolle keine Zwangsgebühren mehr zahlen, „für etwas, was ich nicht benutze“. Die „Öffis“ hätten sich nach links verirrt. Schluss damit, fordert der ZDF-Rentner. Das kommt beim Publikum an.
Hahne missioniert mittlerweile im Netz, in alternativen Kanälen. Er kommentiert, kritisiert und erklärt die Welt für rechte und rechtskonservative Medien wie Achse des Guten, Tichys Einblick, NIUS, Apollo News, Junge Freiheit oder das Portal Scharf rechts. Dort präsentieren zwei TV-Schönheiten, gemeinsam nicht so alt wie Gast Hahne, einen gutgelaunten älteren Herrn auf dem Sofa, der aus dem Nähkästchen plaudert und Deutschland auf der Kippe wähnt. Hahne sagt, die Wahl am 6. September in Sachsen-Anhalt habe „weltweite Bedeutung, vom Kreml bis zum Weißen Haus“. Bei dieser Schicksalswahl hoffe er auf die Wende.
Nichts mehr sei normal in Deutschland, wiederholt er. Man dürfe nicht mehr reden wie einem der Schnabel gewachsen sei. Alles ginge den Bach runter. Die Große Koalition ist für ihn ein einziges Desaster. Die Folge: Masseneinwanderung, Messerstechereien, Vergewaltigungen, Wirtschaftskrise, Pleitewelle, Volksverarmung und Klimawahn. Die beiden Moderatorinnen feuern Hahne an. Die drei auf dem Sofa sind sich total einig. Wie schön: Der alte, zornige Mann spricht aus, was viele klammheimlich denken. Schließlich liefert Hahne den entscheidenden Satz: „Die Zeit war noch nie so reif für einen Machtwechsel wie heute.“ Was danach kommt, wird nicht gefragt.

Nichts funktioniert mehr. Nichts ist mehr normal. Wenn Peter Hahne loslegt, sagt er, was gerade nicht wenige denken.
Rettet das Zigeunerschnitzel, beendet den Gender-Unfug, macht Deutschland wieder normal. Das ist Hahnes Kernbotschaft: Make Germany normal again. Vorwärts in die Vergangenheit! Als das Leben noch einfach, normal und übersichtlich war. Als Opa noch etwas zu sagen hatte. Nur, damals gab es keinen Podcast: Scharf rechts. Damals sendeten nur die Öffentlich-Rechtlichen. Selbstverständlich stets mit Peter Hahne auf Sendung. Der Mann, der gerne sagt, was viele hören wollen.

