Meine Mundharmonika. Von Hohner.

Spiel noch mal

Der kleine Freund ist schmal, handlich und passt in jede Hosentasche. In der Regel ist das Ding aus Holz und Metall 10,5 cm lang, 2,8 cm tief und 1,8cm hoch. Der kleine Fratz wird gerne unterschätzt, heißt im Volksmund Schnuffelrutsch, Mundorgel oder bayrisch derb Fotzenhobel. Das Mundblasinstrument benötigt ausreichend Puste und noch mehr Talent. Die Töne müssen chromatisch bedient werden. Wer den Bogen raus hat, ist absolut lagerfeuertauglich. Optimal auch einsetzbar zur Gitarre für Straßenmusiker jeder Couleur in jeder beliebigen Fußgängerzone, wenn Songs von Bob Dylan über Cat Stevens bis Oasis gecovert werden. Eben alles, was Kleingeld bringt.

Richtig! Alles dreht sich um die Mundharmonika. Klein, aber oho! Gefühlvoll geblasen ist sie eine Stimmungskanone. Immer nah an einem Hauch Melancholie und Sehnsucht. Die Mundharmonika steht für einsame Verlierer und verlassene Ladys. Die Blues Harp gibt der Enttäuschung eine Stimme und hilft über Kummer und Frust hinweg. Sie kann aber auch den entscheidenden Ton setzen: Von Neil Youngs Heart of Gold über Springsteens The River bis zu Spiel mir das Lied vom Tod von Ennio Morricone.

 

 

Es gibt einen Musiker, der die Mundharmonika geadelt hat. Sein Name: Jean-Baptiste Frédéric Isidor Baron Thielemans, besser bekannt als „Toots“ Thielemans. (1922-2016) Vor genau zehn Jahren im August 2016 hat der kleine Belgier, wie er sich nannte, die Bühne für immer verlassen. Seine Lieder aber bleiben. Der stille, bescheidene Gentleman blies dem winzigen Holz-Metall-Ding wie kein anderer Leben ein. Mit Bluesette gelang ihm nach dem II. Weltkrieg der Durchbruch. Er spielte in den USA mit allen Großen zusammen: Ella Fitzgerald, Natalie Cole, Billy Joel, Paul Simon, Miles Davis, Chet Baker, Charlie Parker, Benny Goodman, Ellis Regina, Jacco Pastorius, Oscar Peterson, Quincy Jones, Pat Metheney, Sting und Stevie Wonder.

 

 

Imagine! Toots Thielemans war Inspiration für John Lennon. Er komponierte die Titelmelodie für die Sesamstraße. 2001 wurde er vom belgischen König Albert II. in den Stand eines Barons erhoben. Leider ist er im Mainstream längst vergessen. Aber es lohnt sich Toots zu entdecken. Der elegante Herr, der mit seiner kleinen Mundharmonika große Konzertsäle verzauberte. Seine Musik sei „between a tear and a smile“, zwischen einer Träne und einem Lächeln, sagte er einmal, zwischen Melancholie und einer heiteren Leichtigkeit. Zum Schluss noch eine letzte Toots-Kostprobe. Shape of my hear, gemeinsam mit Sting, aus dem Jahre 1993.

 

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