Du kannst eine Kerze ausblasen…
…aber nicht das Feuer, das lodert. Gute Ideen setzen sich durch. Nicht alle, aber diese hat es geschafft: Playing for Change. Musik für die Welt. Vor etwa zwanzig Jahren beschließen die Musikproduzenten Mark Johnson und Enzo Buono ausgetretene Wege zu verlassen. Sie wollen Songs produzieren, die unter die Haut gehen und etwas verändern. Weltweit. Ob in New York oder Nepal. Ghana oder Cuba. New Orleans oder Neu Delhi. Initiator Marc Johnson reist mit Enzo Buono um den Globus, um populäre Titel von unterschiedlichsten (Straßen-)Musikern interpretieren zu lassen. Musik als universelle Sprache, um „zu inspirieren, zu verbinden und der Welt mittels Musik Frieden zu bringen“. Große Worte, gewiss. Aber aus kleinsten Anfängen wird 2008 eine weltweite Bewegung. Der erste Song Stand by me schlägt ein. In Barcelona, Benin oder Neuseeland.
Imagine von John Lennon, Peace Train von Cat Stevens oder When The Levee Breaks mit John Paul Jones. Lieder reisen um die Welt. Mit Hilfe eines mobilen Tonstudios zeichnet das Playing for Change-Team die jeweiligen Interpretationen des Songs auf, um in der Postproduktion zusammengefügt zu werden. Mittlerweile sind weltweit über tausend Musizierende in das Projekt involviert. So entstehen Collagen, die Musiker, Chöre und Bands unterschiedlichster Ethnien und Kulturen in ihrem heimatlichen Umfeld und meist unter freiem Himmel zeigen.
Doch Playing für Change will mehr sein als vier oder fünf Minuten YouTube-Folklore. Die Songs sollen als Herzschlag eines sozialen Wandels dienen. Über dreihundert Mitarbeiter wirken vor Ort mit: Musiker, Künstler, Techniker und Koordinatoren, die von ihrer Arbeit leben können. Sie geben jährlich über 80.000 Stunden kostenlosen Unterricht für mehr als siebtausend Kinder in 26 Ländern. Von Argentinien über die Ukraine, von Uganda bis Thailand. Während sich autokratische Regierungen, darunter auch das Trump-Regime, aus UN-Programmen zurückziehen, versucht die private Initiative von Playing für Change spendenfinanziert dagegen zu halten.
Die eigentlichen Stars in den Videos sind weder Bono, Peter Gabriel noch Ringo Starr, es sind Amateure und Straßenmusiker. Sie wollen zeigen: eine bessere Welt ist möglich. Jenseits von Krieg, Katastrophen und Korruption. Lieder können genügend Kraft entwickeln, um Machthaber zu stoppen sowie Grenzen zwischen den Menschen zu überwinden. Wie heißt es so treffend im Song Biko von Petr Gabriel: „Eine Kerze kannst du ausblasen, doch ein Feuer nicht. Haben die Flammen erst einmal Nahrung gefunden, wird der Wind sie noch höher lodern lassen.“ Das Apartheid-Regime ließ Steve Biko ermorden. Ein gutes Jahrzehnt später musste die Regierung von Südafrika abdanken. Es stimmt: Musik kann Herzen entflammen. Leider dauert es manchmal viel zu lange, bis der Funke überspringt. Aber eines ist gewiss: Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.

Wow. Das sind verdammt gute Produktionen. Herzlichen Dank für diesen tollen Tipp,