Hotel Bossa Nova – Neue Welle aus Wiesbaden

„Wenn wir Jungs unseren Jazz machen, dann kommen höchstens sechs Leute“, stöhnt der Gitarrist kurz vor Auftritt. Es klingt ein wenig resigniert. Als Sängerin Liza da Costa die Bühne im angesagtesten Berliner Jazz-Club a-trane betritt, brandet Beifall auf. Vorschusslorbeeren für eine Band, die keiner kennt. Der Laden ist gerammelt voll. Vielleicht, weil an diesem kalten Winterabend alle auf ein Abtauchen in warme brasilianische Rhythmen hoffen.

E pronto! Die vier Musiker erobern die Herzen der verwöhnten Hauptstädter im Sturm. Vor allem die fröhliche Frontfrau, die Deutsch-Portugiesin Liza da Costa verleiht dem Quartett vom ersten Takt an ihre unverwechselbare Note. Sie schnurrt, surrt, trilliert, brilliert, verwandelt ihre Stimme in ein virtuoses Soloinstrument. Anspruchsvoller, professioneller Bossa Nova für Kopf und Bauch.

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Liza da Costa in Berlin. Foto: Nick Becker

Liza führt auf Deutsch durch den Abend, die Songs sind alle auf Portugiesisch. Sie erzählen von großen Hoffnungen und den miesen kleinen Tiefschlägen. Da macht jemand Schluss. Dort scheint die Sonne nie auf einen Balkon, der vom gegenüberliegenden Haus in den Schatten gestellt wird. Welche Pflanze wächst da nur? Schließlich bemüht sich ein Zugereister um Anschluss, wird zurückgewiesen, bleibt ausgeschlossen. Musik als Rettungsanker und Seelenbalsam. Wie schön können Niederlagen sein, wenn sie so gefühlvoll vorgetragen werden.

Gitarrist Tilmann Höhn, Kontrabassist Alexander Sonntag und Schlagzeuger Wolfgang Stamm kreieren einen Sound, der einen nach Rio de Janeiro oder Lissabon entführt. Eine Leichtigkeit, die beschwingt, voll ansteckender Lebensfreude. Im Wechsel mit Balladen, die von Kummer und Herzensleid künden. Die Musiker machen den Eindruck, dass sie zu dem stehen, was sie tun, auch wenn es nicht dem verkaufsfördernden Mainstream entspricht. Das steckt an. Nur solche Musiker können dieses Glücksgefühl auch an ihre Zuhörerschaft weitergeben.

 

Hotel Bossa Nova. Cooler Jazz mit Seele und bezaubernder Sängerin aus Wiesbaden. Ihre neue CD heißt Desordem & Progresso. Das bedeutet übersetzt so viel wie Turbulenzen und Fortschritt. Ein schöner Mix, eine echte Entdeckung.

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