Wer hat Angst vor dem Wolf?

Der Wolf ist unterwegs. Er reißt Schafe, Ziegen, Hühner, Damwild, sogar kalbende Kühe. Bauern und Kleintierzüchter sind in heller Aufregung. Binnen weniger Tage schlugen Wölfe in mehreren brandenburgischen Wildtiergehegen zu. Die Jäger wollen den Wolf zur Strecke bringen. Sie setzen auf Schrot und Blei für den Konkurrenten. Die Wolfsmanager hingegen beschwichtigen, regulieren Schäden und legen Zahlen vor.

Im 21. Jahrhundert wurden von 2000 bis zum Februar 2015 im Wolfs-Land Brandenburg insgesamt 126 Attacken von Meister Isegrim amtlich registriert. Für 484 Nutztiere – zumeist Schafe – zahlten die Behörden Entschädigung, so das Wolfsmanagement. Anfang April soll es intensive Gespräche mit Bürgern und Landwirten geben. Denn: die Angst vor dem Wolf geht wieder um.

Manche Wolfshasser greifen mittlerweile zu drastischen Mitteln. In der Nähe von Bautzen liquidierten Unbekannte einen Rüden, sein Körper war von Dutzenden Kugeln durchsiebt. Im Elbe-Elster-Kreis wurde ein Wolf erschossen, skalpiert und der Rumpf am Straßenrand zurückgelassen. Waren die Täter skrupellose Trophäenjäger? Die Polizei ermittelt. Die allermeisten Wölfe jedoch verenden auf Bundesstraßen. Sie werden einfach überfahren.

wolf_fotofalle_Sielmanns_Naturlandschaft_Kyritz_Ruppiner_Heide

Im Sommer 2011 tappte der Wolf in die „Fotofalle“. Der Einzelgänger auf Deutschlands größtem ehemaligen Bombenabwurfplatz „Bombodrom“ zwischen Neuruppin, Rheinsberg und Wittstock, nördlich von Berlin.

 

Zuletzt lebten in Brandenburg nach Angaben des Landesumweltamtes noch etwa 14 Wolfsrudel und einige Einzeltiere, so auf dem Gelände des ehemaligen Bombodrom in der Wittstocker Heide. Die meisten Wölfe kommen im Süden Brandenburgs vor. Wolfsrudel brauchen Reviere bis zu 350 Quadratkilometer, ziehen ruhelos umher durch Wälder, alte Manövergebiete und aufgegebene Militärplätze.

Wölfe sind hervorragende Auf- und Abräumer von kranken Wildbeständen, holen sich aber auch Schafe und räubern gerne in Hühnerställen. Viele Landbewohner sind verunsichert bis verärgert. Seit Menschengedenken bestimmen Angst und Aberglaube unser Verhältnis zum Wolf. „Der Mensch ist des Menschen Wolf“, stellte der Dichter Titus Plautus fest. Das war vor 2.200 Jahren. So viel zur Lernfähigkeit des Menschen im 21. Jahrhundert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.