Ist das ein Apfel?

Vorsicht! Die Wahrheit liegt stets im Auge des Betrachters. Der Meister des Surrealismus René Magritte ging noch einen Schritt weiter. Er warnte: Bildern sei zutiefst zu misstrauen. Der Belgier mit dem grünen Apfel meinte, es gebe einen Verrat der Bilder. Denn in seinen gemalten Apfel könne man nicht beißen. Es sei nur ein Bild. Eine Illusion, eine Täuschung. Diesen Rat gab René seiner Frau Georgette. Nimm Dich in Acht vor meinen Äpfeln. Adam warnte Eva.

 

Ceci n´est pas une pomme. 1964

 

Der Apfel war in Magrittes Arbeiten ein Lebensthema: Äpfel mit Masken, versteinerte Äpfel in karger Landschaft. Äpfel, die erklären, dass sie keine Äpfel sind. Oder ein verlorener Apfel, der über einem Mann schwebt, während dieser auf Berge starrt. Der Apfel steht in der Überlieferung für Gesundheit, Versuchung und Sündenfall. Der Apfel beschleunigt die Vertreibung aus dem Paradies. Denn Adam nahm den Apfel an. Da war es um den Himmel auf Erden geschehen.

Magritte wurde Ende des 19. Jahrhunderts in der Blütezeit der Belle Epoque geboren. Er starb im „Summer of love“ 1967, in der Hochzeit der Hippies. Seine Äpfel passten passgenau zur Pop-Art. Paul McCartney blieb bis heute ein Bewunderer und Sammler von Magritte. Er nutzte den Apfel als Markenlogo für das Plattenlabel der Beatles. Apple-Gründer Steve Jobs begründete sein Imperium gleichfalls mit Magrittes Meisterwerk. Milliardenfach leuchtet sein angebissener Apfel heute weltweit – als Sinnbild der Menschheit von Adam und Eva bis zum Iphone X im Silberlook.

 

Mann mit Apfel. 1964

 

Magritte malte sich häufig im tristen Geschäftsanzug, den er beim Malen trug. Stets gekrönt von einer schwarzen Melone. Auch diese folgt der Form des Apfels. Der belgische Maler über seine Kunst: „Meine Bilder beschwören ein Geheimnis herauf und, wenn man eines meiner Bilder sieht, fragt man sich in der Tat: „Was bedeutet das?“ Es bedeutet gar nichts, da ein Geheimnis nichts bedeutet, es ist nicht erkennbar.“

 

Die Beatles und Steve Jobs von apple bedienten sich bei Altmeister René Magritte.

 

Macht das Selfie-Zeitalter nicht eher blind? Blühen nur noch Ego-Emotionen? Führt der Overkill  zu Nervosität und Abhängigkeit wie bei Junkies? Sinken Verarbeitungs- und Erinnerungsvermögen? Reduziert die heutige Flut an Filmchen und Bilder Kreativität? Bleiben am Ende  nur noch Abstumpfung und Vereinsamung? René Magritte sagte einmal über die Macht der Bilder, sie sei für ihn gleichbedeutend mit Träumen. Aber er ergänzte: „Träume, die nicht einschläfern, sondern aufwecken wollen.“

 

Das ist keine Pfeife – natürlich. Das ist ein Magritte von 1929. „This is not a pipe“ – 59 × 65 cm Ölbild. Los Angeles County Museum of Art.

 

Magrittes Heimatstadt Brüssel feiert den Surrealisten mit zwei großen Ausstellungen.

„Magritte, Broodthaers & Contempory Art“. Brüssel. Königliche Museum der Schönen Künste. Jubiläumsausstellung. Bis 18.02.18.

„Magritte, Atomium meets Surrealism“ Brüssel. Atomium. Bis 10.09.2018.

 

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