Farm in New Jersey. Robert Jones. USA.

Is your fire still burning?

Er ist ein echter 68er. Jedenfalls den Lebensjahren nach. Im Herbst wird er 69. Bruce Frederic Joseph Springsteen. Ist nun Zeit für die verdiente Rocker-Rente? Oder hat die Zitrone noch Saft? Für seine Fans ist die Frage überflüssig wie ein Kropf. In dem Dokumentarstreifen „Springsteen and I“ erzählen Verehrer aus aller Welt in selbstgemachten Videos von ihrer  Beziehung zum „Boss“. Herausgekommen ist ein einziges Bewunderungswerk. Aber die Doku des Briten Baillie Walsh offenbart eine ganze Menge über unsere eigenen Sehnsüchte.

Eine Truckerin betont, seine Songs vermittelten ihr, nicht die Reichen, sondern sie sei die Stütze des Landes. Eine ältere Dänin verfasst flammende Liebesschwüre. Bruce hätte ihr das Gefühl gegeben, er spiele einzig und allein für sie. Ein Malocher aus Manchester bemerkt, seine viel zu langen Live-Konzerte verursachten ein Problem. Er verpasse jedes Mal den Nachtzug nach Hause.

 

 

Der Film zeigt: Bruce Springsteen aus Fairhold, New Jersey ist mehr als ein Musiker. Er ist einer dieser wenigen amerikanischen Legenden, die es noch gibt. Bis heute verkörpert er den hilfsbereiten Nachbarn von nebenan. Einer dieser traurigen Verlierer aus der Vorstadt, der allen Anfechtungen zum Trotz anständig bleibt. So trifft er den Nerv der schweigenden Mehrheit in den USA. Die ist viel zu konservativ um wirklich aufzubegehren, aber geprägt von einer Wut auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt. Nicht wenige davon haben Trump gewählt. Obwohl Bruce keinen Zweifel lässt, dass er diesen Präsidenten für ein Unglück hält.

Springsteen liefert den Sound einer ganzen Generation. „Born in the USA“ wurde einst zum Wahlkampfschlager der Republikaner bis Springsteen jede Werbung mit seinem Song unterband. Er unterstützte Barack Obama und widmete vor einigen Jahren dem erschossenen Teenager Trayvon Martin den Song „American Skin“. Trayvon war farbig und siebzehn. Der weiße Schütze wurde in Florida freigesprochen.

 

 

Der letzte lebende große Rockstar der USA ist längst Religion. Entweder man liebt ihn abgöttisch oder man hasst ihn abgrundtief. Musikalisch betrachtet ist Bruce Springsteen eher ein Mann der Vergangenheit. Aber nach wie vor kann er das Feuer entfachen. Er verkörpert das Gewissen der Nation. Er versöhnt viele mit den Schattenseiten des amerikanischen Traums.  Mit Gewalt, Willkür und schreiender Ungerechtigkeit. The fire is still burning. Die Zitrone ist noch nicht ausgepresst.

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