Frohe Botschaften

Ein kleiner Schaukasten in Berlin-Mitte. Er fällt kaum auf. Die verglaste Mitteilungstafel steht vor einem hohen Zaun, dahinter ein Siebzigerjahre-Betonklotz. In diesem Schaukasten befindet sich eine Art nordkoreanisches Facebook unserer Tage. Zu sehen sind einige Bilder und Texte, die das aktuelle Zeitgeschehen kommentieren.

 

Der Schaukasten. Neues aus der Nordkoreanischen Botschaft.

 

Das offizielle Mitteilungsorgan der nordkoreanischen Botschaft wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Allerdings lässt man sich dabei Zeit. Im Mittelpunkt des Kastens ist derzeit der Staatsführer. Keine Frage. So heißt es: „Der verehrte Oberste Führer Genosse Kim Jon Un bei der Vor-Ort-Anleitung.“ Alle lächeln, genau wie die behelmten Kinder auf dem Foto nebenan mit der Unterschrift „In einem Sportpark“.

 

Hinter Glas. „Der Verehrte Führer Genosse Kim Jong Un.“

 

Die aktuellen Entwicklungen der letzten Tage werden noch nicht erwähnt. Dabei war über den 34-jährigen Führer Genossen Kim viel Neues zu hören. Der Mann sei „ehrlich und direkt, unterhaltsam und strategisch.“ Schließlich: „Er ist klug, er liebt sein Volk und liebt sein Land.“ Diese Einschätzungen stammen jedoch nicht vom Kulturattaché der nordkoreanischen Botschaft sondern vom Präsidenten der Vereinigten Staaten. Donald Trump stellte fest, das sei eine „großartige Beziehung“.

 

Botschaften aus einer anderen Welt.

 

Werden in diesen unruhigen Zeiten aus alten Feinden neue Freunde? Mag Donald Trump Kim Jong Un mehr als Angela Merkel oder Kanadas Justin Trudeau? Das Treffen der beiden Staatsmänner in Singapur produzierte wahre Perlen politischer Inszenierung. Trump führte Kim ein Vier-Minuten Werbevideo vor. Titel: „Zwei Männer, zwei Führer, ein Schicksal.“

 

 

Wann wird die Hollywood-Botschaft die Schautafel von Nordkoreas diplomatischer Vertretung erreichen? Bisher herrscht Funkstille. Die PR-Spezialisten in Pjöngjang scheinen sich Zeit zu lassen. Wie immer. Obwohl sie wissen, dass die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches mittlerweile länger ist als die eines heutigen Facebook-Nutzers. Egal. Wandel ist möglich. Noch hat es Donald Trump nicht in den Schaukasten geschafft. Jedenfalls nicht in den der nordkoreanischen Botschaft in Berlin.

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