Was aus Wunderkindern wird

Was treibt Musiker an, die mit Anfang dreißig alles erreicht haben? Internationale Preise, weltweite Auftritte, VIP-und Promistatus. Ein Turbo-Leben im Bonus-Meilen-Rhythmus. Der Geiger Iskandar Widjaj ist so ein Wunderkind. Wie Mozart begann er mit vier zu üben. Mit sieben hatte er sein erstes öffentliches Konzert in Italien- ein Vivaldi-Solo. Mit elf studierte er Geige an der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler. Es folgte eine rasante Karriere. Jetzt ist er 32. Sein neues Album Mercy ist eine Reise ins Innere. Überrascht?

 

 

Iskandar Widjaja ist eine typische Berliner Pflanze. Geboren 1986 an der Spree. Der Vater hat arabisch-holländische Wurzeln. Die Mutter ist Pianistin, eine Indonesierin aus chinesischer Familie. Iskandar wuchs in dieser Multi-Kulti-Künstlerfamilie auf. Die Violine wurde sein Spielgerät. Er übte und übte. Ehrgeizig, fleißig, talentiert. Den Begriff „Wunderkind“ mag er nicht. Er habe sich seinen Weg hart erarbeitet, mit Ausdauer und Disziplin.

 

Iskandar Widjaj. Ein Global Player auf der Geige.

 

Seine Plattenfirma wird nicht müde die Werbetrommel zu rühren, Iskandar sei „kein Mann der Nische, sondern Allround-Künstler. Schriller Grenzgänger, Trendsetter und Medienstar“. In Asien genießt er Popstar-Status. Dort surft er mit seiner Stradivari auf der Erfolgswelle zwischen Entertainment und Ernsthaftigkeit. Zwischen Auftritten auf der Fashion Week, Miss World-Wettbewerben und Bachs Violin-Konzerten.

 

 

„Erbarme dich, mein Gott“. Die Interpretation aus Bachs Matthäus-Passion ist Teil seiner neuen CD. „Musik ist wie eine seelische Reinigung“, sagte Iskandar in einer Talkshow. Johann Sebastian Bach sei für ihn eine Art Religion. Überhaupt: das erwachsen gewordene Wunderkind hat sich auf eine stille, meditative Reise begeben. Musik zur Entschleunigung. Es begleitet ihn Urna Chahar-Tugchi, eine mongolische Sängerin, die aus einer Hirtenfamilie stammt. Oder er improvisiert mit dem Berliner Freund und Pianisten Friedrich Wengler zu „River flows in you“ des südkoreanischen Komponisten Yiruma. Iskandars Wunsch: Fantasie an die Macht.

 

 

Es wird oft gesagt, dass die Globalisierung unserer Tage alles ermöglicht nur kein Seelenheil. Keine Zufriedenheit, keine Gerechtigkeit. Stattdessen nur Hektik, Heimatlosigkeit und Entwurzelung. Iskandar Widjaja ist für gute sechzig Minuten eine passende Antwort gelungen. Weltmusik vom Feinsten, mit Geige und Seele. Meditativ, melancholisch, musikalisch hoch spannend und abwechslungsreich. Sein neues Album berührt.

 

Ab 7. September 2018 ist „Mercy“ in den Plattenläden. Iskandar Widjaja startet zeitgleich seine Welttournee mit einem Berliner Auftritt.

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