Hammond Maprifi.

Flieg!

Er raucht und säuft nicht. Das Wort Skandal ist für ihn ein Fremdwort. Er ist ein stiller weißer Mann, der den Blues hat: Steve Winwood. Seit über fünf Jahrzehnten tourt er auf den Bühnen der Welt.  Nun ist er mittlerweile runde Siebzig. Steve – das einstige Wunderkind. Der Hochbegabte und Schüchterne. Der Vielkopierte und vielfach Unterschätzte. Vorbild ganzer Musikergenerationen. Natürlich ist er älter geworden wie seine Fans. Aber sein Sound ist jung geblieben.

 

Steve Winwood. Cropredy Festival, England. 2009. Quelle: Wikipedia

 

Winwood stammt aus Birmingham. Vater Lawrence besserte sich als Hochzeitsmusiker sein bescheidendes Budget auf. Mit fünfzehn startete Steve als Pianist und Sänger in der Spencer Davis Group. Keep On Running wurde ein Welt-Erfolg. Es folgten die Superbands Traffic und Blind Faith mit Eric Clapton und Ginger Baker. I´m a man lief in allen Charts. Steve perfektionierte den treibenden Sound auf seiner legendären Hammond B3-Orgel. 1980 landete er mit Arc of Diver einen Solo-Erfolg.

 

 

In den Neunzigern wurde es still um ihn. Er zog sich in sein englisches Landhaus zurück, experimentierte, probierte Neues, scheiterte. Der unermüdliche Tüftler, der mit Jimi Hendrix, Phil Collins, Billy Joel, Talk Talk, Christina Aguilera und vielen anderen Größen gespielt hat. Sein Comeback gelang 2008. Zuerst mit Eric Clapton im New Yorker Madison Square Garden. Ein Live-Konzert der Extraklasse. Aus seinem heimischen Studio steuerte er kurz darauf sein letztes Solo-Album Nine Lives bei.

 

 

Wenige Musiker aus dieser Liga habe ich so aufmerksam, bescheiden und unprätentiös erlebt. Als wir im Londoner Hotelzimmer bei unserem TV-Interview keinen Stuhl für den Tonassistenten haben, steht er plötzlich auf und zieht los, um im Flur fündig zu werden. Nach dem Interview fragt er mich noch, was mein Lieblingssong auf Nine Lives sei. Ich antworte spontan Fly. Eine schwebende ruhige Ballade. Der Mann lächelt und strahlt wie ein Schüler, der gerade eine glatte Eins in Mathe geschafft hat.

2019 ist Steve Winwood mit Steely Dan auf Tournee. In den USA und in seiner Heimat England – aber nicht bei uns.

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