Schiller. Punkt!

„Der ist allein glücklich und groß, der weder zu gehorchen noch zu befehlen braucht, um etwas zu sein.“ Stimmt das noch? Über zweihundert Jahre sind diese Worte alt. Damals gab es weder Trump, Twitter, Selbst-Optimierungsstrategen und digitalen Pranger. Die Gedanken sind frei, hieß es vielmehr. So einfach formulierte es dieser schwäbische Freigeist. Schiller sein Name. Er mochte das Pathos, liebte die Freiheit, kämpfte für seine Ideale. Als er 1805 starb, sollte er bald auf Berlins schönsten Platz – den Gendarmenmarkt – befördert werden.

Doch das dauerte. Noch zu seinem hundertsten Geburtstag im Jahre 1859 verboten die Preußischen Behörden einen geplanten Straßenumzug – aus Angst vor Unruhen. Dennoch wurden Zehntausende Taler für ein Denkmal des Dichters gesammelt und bereitgestellt. Aber erst 1861 konnte ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Den gewann der Bildhauer Reinhold Begas. Es war sein erster großer Auftrag. Den jugendlichen Schiller mit Locken stellte er auf einen Marmorsockel, ihm zu Füßen platzierte er vier Musen. Eine schöner als die andere: die Lyrik, die Philosophie, die Tragödie und die Geschichte.

 

Im April 1986 reiste Schiller visafrei aus Westberlin in die DDR-Hauptstadt ein. Die Aufnahme zeigt den Transport in der Elsenstraße im Bezirk Berlin-Treptow. 1988 stand Schiller wieder am ursprünglichen Standort vor dem Schauspielhaus.

 

Die Einweihung war 1871. Zehn Jahre nach Planungsbeginn. So viel zum berühmten Berliner Bau-Tempo. Danach stand Schiller ein halbes Jahrhundert unerschütterlich in Berlins Mitte – bis die neuen Machthaber von der NSDAP den Schillerplatz (heute Gendarmenmarkt) zum militärischen Aufmarschplatz umfunktionierten. Das Schiller-Denkmal wurde abgeräumt, dabei beschädigt und im Westen der Stadt am Lietzensee notdürftig zwischengelagert.

Im Zweiten Weltkrieg fiel auch der Platz in Trümmern und mit ihm das Schauspielhaus. Die DDR taufte das Areal Platz der Akademie, restaurierte in den achtziger Jahren mit großer Sorgfalt das von Schinkel errichtete Schauspielhaus. Dann stellte die DDR Schiller wieder 1988 auf seinen angestammten Platz, um ein Jahr später selbst abzutreten. Endlich ist die Herrschaft, die nicht auf freiem Denken basiert, hätte Schiller wohl geraunt.

 

Friedrich Schiller am Gendarmenmarkt. Mit Punkt. Versteht sich.

 

Wer sich nun heute das Marmor-Denkmal für Friedrich Schiller (1759-1805) genauer anschaut entdeckt eine Besonderheit. Es geht um einen kleinen Punkt hinter dem Namen. Die Legende erzählt, darauf habe der preußische König Wilhelm I bestanden, um die jahrelange Debatte über das richtige Denkmal mit dem richtigen Helden zu beenden. Da kommt Schiller hin. Punkt, verfügte er. Am Ende mussten die widerspenstigen Berliner parieren. So steht Schiller heute noch genauso auf seinem Sockel – mit Punkt. Versteht sich.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.