Schloss Eugensberg in der Schweiz. Ginesta Immobilien AG

Das Schloss

Die Lage ist traumhaft. Hoch über dem Bodensee. Blick auf die Insel Reichenau. Gesichert durch Zäune versteckt sich Schloss Eugensberg hinter hohen Hecken im Kanton Thurgau, diskret wie ein Schweizer Nummernkonto. Ein Paradies auf Erden. Viele Millionen Franken wert. Sechs komfortable Wohnräume im Empire-Stil, elf Schlaf- und fünf Badezimmer. Pool, ein Tempel und selbstredend ein eigener Tennisplatz. Das Schloss hat eine sehr spezielle Geschichte. Zu berichten ist von stetem Aufstieg und Fall. Dieses Schloss verschlingt seine Bewohner.

 

 

Anfangs residierte der Hochadel, später der europäische Geldadel. Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons und Vizekönig von Italien, ließ das klassizistische Schloss zwischen 1819 und 1821 errichten. Er vermachte aus Krankheitsgründen das Anwesen seiner Tochter Eugénie, der das Schloss gleichfalls wenig Glück brachte. Sie musste verkauften. Später erwarb ein Augsburger Geschäftsmann das Schweizer Traumschloss. Der Deutsche hatte sein Vermögen „mit Balsam und Lebensessenzen“ gemacht. Auch er erkrankte wie der Bauherr schwer, verkaufte es weiter an eine Gräfin Amelie von Reichenbach-Lessonitz.

Nach ihrem Tod verkaufte die Tochter das Schloss an den Schweizer Großindustriellen Hippolyt Saurer aus Arbon. Dieser modernisierte das hochherrschaftliche Anwesen in der Zeit des I. Weltkrieges. Er blieb immerhin bis 1936 alleiniger Schlossherr. Nach Jahren der Ungewissheit im II. Weltkrieg wurde das Schloss 1948 für 850.000 Franken an die Diakonie verkauft. Vierzig Jahre lang diente das Schloss als Ferien- und Erholungsheim. Eine schöne Zeit für Familien mit Kindern, völlig ohne Skandale, Spekulation und Pleiten.

 

Schloss Eugensberg. Napoleons Stiefsohn ließ 1819 bis 1821 Schloss und Park an der Südseite des Bodensees anlegen.

 

Doch das Anwesen wurde der Diakonie zu teuer. 1990 schlug der Schweizer Autohändler Hugo Erb zu. Ein tüchtiger Patriarch alter Schule. Erb hatte sein Milliarden-Imperium mit Auto- und Kaffeehandel aufgebaut. In Glanzzeiten beschäftigte er über 5.000 Mitarbeiter. Die DDR wurde sein Verhängnis. Der Selfmade-Mann aus Winterthur verspekulierte sich in den Goldgräberjahren der Nachwendezeit. Er kaufte ostdeutsche Immobilien, die sich als Reinfall erwiesen. Sein Imperium mit sechzig Firmen stürzte ab.

Sohn Rolf Erb, ein gelernter Kunsthistoriker, übernahm den Konzern, konnte die Pleite aber nicht verhindern. 2.4 Milliarden Franken Schulden bedeuteten 2007 das Aus. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Patriarchensohn Rolf wurde wegen Betrug, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung zu sieben Jahren Haft verurteilt. Vergeblich beteuerte er seine Unschuld. Ende März 2017 entschied das Gericht, der 65-jährige müsse hinter Gittern. Acht Tage später wurde er tot im Dachzimmer des Schlosses aufgefunden. Das Herz.

 

Seit 2019 residiert auf Schloss Eugensberg der deutsche Internetmillionär Christian Schmid. Foto: Wikipedia

 

Jahrelang stand das Schloss leer. Nun zieht ein Deutscher mit seiner Schweizer Gattin ein. Kaufpreis über 36 Millionen Franken. Die wahre Summe bleibt Geschäftsgeheimnis. Der neue Mann auf Schloss Eugensberg heißt Christian Schmid, stammt aus Tübingen und ist 39 Jahre alt. Das Internet hatte ihn reich gemacht. Gegen seine einstige Datenspeicherfirma «Rapid-Share» laufen zwar ein paar Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen. Geschenkt. Das kinderlose Schlosspaar will das Anwesen „erhalten“. Der Rest spielt sich – wie seit genau zweihundert Jahren – hinter blickdichten Hecken und hohen Zäunen ab.

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