Wüstensturm. Foto: ELG21

Die Regenmacher

Wasser wird knapp. Weltweit. In Äthiopien und Somalia, wo nach drei Dürrejahren Millionen Menschen der Hungertod droht. Am riesigen Aralsee in Zentralasien, der langsam, aber sicher austrocknet. Im brandenburgischen Grünheide. Dort streiten die Gemeinden mit dem Technikgiganten Tesla um jeden Tropfen des kostbaren Gutes. Aber auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein staubtrockner Wüstenstaat. Vor 50 Jahren gegründet. Durch Öl unvorstellbar reich geworden, doch eines fehlt tagtäglich: Wasser. Exakt an zwölf Tagen im Jahr regnet es. Durchschnittlich sind das 78 Millimeter Niederschlag, ungefähr so viel wie in einem normalen Sommermonat in unseren Breitengraden gemessen wird. Am Himmel über den neureichen Wolkenstaat mangelt es nicht nur an Regen, auch an Wolken. Die sind kostbar. Wolken werden wie Trophäen verehrt und sind seit einigen Jahren Ziel einer Spezialtruppe. Eine Flugstaffel der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mit neun Piloten ist rund um die Uhr startbereit, um herannahende Wolken zu orten und zum Regnen zu bringen. Die Piloten sind Rainfluencer.

 

 

Mit ihren Propellerflugzeugen steuern die Regenpiloten die spärlich vorbeiziehenden Wolken direkt an. An den Tragflächen transportieren sie kleine Kartuschen in der Größe einer Küchenpapierrolle, gefüllt mit Natriumchlorid oder Kaliumchlorid. Diese „Salz-Bomben“ werden mitten in die Wolken abgefeuert. Die Partikel steigen auf, binden Wassermoleküle und regnen zu Boden. Das Kalkül: Die injizierten Partikel binden mehr Wasser und es regnet dadurch mehr – dank menschlicher Erfindungskraft. Regen durch Technik. Ob das Wolkenimpfen Nutzen bringt, ist in der Wissenschaft bis heute umstritten. Es gibt bei der Naturbeherrschung nach wie vor objektive Grenzen. Der Mensch kann weder Wolken schaffen noch lenken.

 

Tesla-Werk Grünheide. Umweltfreundlich auf Kosten der Umwelt? Streitfaktor: Wasserknappheit. Der März 2022 droht der trockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnung zu werden.             Foto: Wikipedia. 2020.

 

Das wurmt die Wüsten-Emiratis in keiner Weise. Mit ihren Regenmachern sind sie nicht die Einzigen, die auf künstlich produziertes Wetter setzen. Mehr als 50 Staaten experimentieren mit der sogenannten „Wettermodifizierung“, auch die Bundesrepublik. Dadurch sollen Stürme oder Extremwetterlagen wie Hagel oder Gewitter verhindert bzw. gelenkt werden. Als Erfolgsgeschichte gilt der blaue Himmel über Peking während der Olympia-Eröffnung 2008. Die Chinesen betreiben seit geraumer Zeit technische Manipulationen der Wetterbeeinflussung. „Wenn es zu lange grau und wolkenverhangen über der alten Kaiserstadt Xi`an ist“, schicken wir einfach unsere Flugzeuge hoch. Kein Problem“, lächelte uns die Reiseleiterin bei unserem Chinabesuch an.

 

 

Wolkenpimpen als Zukunftslösung? Als Quelle neuer Regenreservoirs auf unserer überhitzten und austrocknenden Erde? Not macht erfinderisch. Keine Frage, aber macht es Sinn?  „Mit dem Wolkenimpfen verhält es sich etwa so, als würde man einen Salzstreuer auf einen Jumbojet werfen. Theoretisch kann man etwas auslösen, aber praktisch müsse man schon sehr genau treffen“, zitiert die ZEIT Andrea Flossmann, Professorin für Wolkenphysik an der französischen Universität Clermont-Auvergne. Was soll´s, sagt sich das Zentrum für Meteorologie der Emirate in Abu Dhabi. Geld ist im Überfluss vorhanden. Künstlicher Regen muss doch machbar sein. Die technikverliebten Emiratis überlegen zusätzlich, Berge höher zu bauen, um mehr Wolken abfangen zu können und diese wiederum zu impfen. Nichts ist unmöglich. Und doch bleibt ein flaues Gefühl. Wasser wird knapp. Wasser ist Leben. Das lernt jedes Kind. Und noch etwas: Die Natur braucht uns nicht. Aber wir sie.

Zum Weltwassertag am 22. März 2022 rät die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), sorgsam mit Grund- und Trinkwasser umzugehen.

 

Wasser wird knapp. Der Aralsee in Usbekistan trocknet aus. Eine Fläche fast so groß wie Bayern. „Eine der größten ökologischen Katastrophen der Gegenwart“, so die Vereinten Nationen. Der Aralsee sei „ein Symbol für die Zerstörung des Planeten durch den Menschen“.

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