USA. 1936. Foto Dorothea Lange

Früchte des Zorns

Tom Joad ist einer von vielen. Der Farmer versucht seine Familie durchzubringen. Doch die Dürre drückt seine Erträge. Die Bank fordert Schuldzinsen, der Grundbesitzer die Pacht. Irgendwann geht es nicht mehr. Die Familie verliert ihr Land an die Bank. Auf einem Handzettel wird gut bezahlte Arbeit im Westen angeboten. Die Rettung? Tom Joad lädt seine ganze Familie auf einen schrottreifen LKW. Großeltern, Onkel, Söhne, schwangere Tochter, ihren Mann, deren Kinder und einen mittellosen Wanderprediger. Der Treck startet in Oklahoma. Immer weiter kämpfen sie sich durch Sandstürme Richtung Gelobtes Land. Während der beschwerlichen Reise sterben die Großeltern. Die Joads gehören zu den vielen Hundertausend US-Bürgern, die statt der goldenen Freiheit von der Großen Depression überrollt werden. Es ist die Weltwirtschaftskrise von 1929. Mit einer vom Menschen mitverursachten Dürre und dem Börsenkrach, der wirtschaftlichen Katastrophe des „Schwarzen Freitags“. Tom Joads letzte Hoffnung hat einen Namen: Kalifornien.

 

Erbsenpflückerin Florence Owens. Mutter von sieben Kindern. Alter: zweiunddreißig. Nipomo, California. 1936. Foto Dorothea Lange

 

Wie viele andere so genannte Okies ziehen sie über die Route 66 nach Kalifornien . Die Joads wollen dort als Wanderarbeiter einen Neuanfang wagen. Doch statt  guter Jobs erleben sie nur Ausbeutung,  Ablehnung und neue Armut. Vater Tom ist niedergeschlagen, verliert jedes Selbstbewusstsein. Mutter Joads versucht verzweifelt die Familie zusammenzuhalten. Doch in Kalifornien bleiben sie Außenseiter. Entwurzelt, rechtlos, chancenlos. Fremd im eigenen Land. Sie sind die Migranten, die den Einheimischen die Arbeit wegnehmen wollen. Am Ende strandet die Familie in einem Notlager. Tom gibt nicht auf, schlüpft allmählich in die Rolle des Wanderpredigers, der gegen Armut und Ungerechtigkeit zu Felde zieht. Die Tochter verliert ihr Baby. Am Ende gibt Rose einem verhungernden fremden Mann die Brust.

 

John Steimbecks US-Erstausgabe von „Früchte des Zorns“ aus dem Jahre 1939.

 

Früchte des Zorns von John Steinbeck erschien 1939. Sein aufsehenerregender Roman über Tom Joad traf den Nerv einer verunsicherten, krisengeschüttelten Gesellschaft. In den USA wurde John Steinbeck zunächst zum Hassobjekt von Großgrundbesitzern und radikalen Rechten. Es gab Morddrohungen und Bücherverbrennungen. Doch die Geschichte von Tom Joad setzte sich durch, wurde ein Bestseller. Steinbeck erhielt erst den Pulitzer-Preis und später den Nobelpreis.

 

 

Hollywood verfilmte seine Anklage an die amerikanischen Verhältnisse mit Henry Fonda in der Hauptrolle. Längst sind Buch und Film Klassiker. Folksänger Woody Guthire widmete Tom Joad eine Ballade, die gleichfalls berühmt wurde. Bruce Springsteen nannte 1995 sein ganzes Album The Ghost of Tom Joad. Der Titelsong wurde später von Rage Against the Machine und vielen anderen Künstlern gecovert. In diesen Tagen ist das Lied wieder so aktuell wie das Buch und der Film, weil sich die Wirklichkeit für hart arbeitende Menschen in einfachen Jobs nicht geändert hat: So viele Wanderarbeiter ziehen weltweit umher und erleben statt Hoffnung und der Aussicht auf gute Jobs die „Früchte des Zorns“.

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