Archive for : Juni, 2024

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Warten auf den Zug

Es ist heiß und schwül. Am Horizont türmen sich schwarze Wolken. Warten auf einem Bahnhof in der Provinz. Der Bahnsteig füllt sich. Auf einer Bank telefonieren zwei dralle Girlies in voller Lautstärke und in viel zu kurzen Hotpants. Auf Arabisch. Eine dritte Person quäkt aus dem aufgedrehten Handy. Die Mädels gackern, als wären sie allein auf der Welt. Der Zug kommt nicht. Verspätung. Alle sind genervt. Yalla, yalla schallt es über den Bahnhof. Die meisten Wartenden starren unbeteiligt auf ihre Smartphones. Plötzlich schreit ein Bärtiger vom gegenüberliegenden Bahnsteig: „Ruhe. Verdammt noch mal.“ – Die Ladys kontern sofort: Gut, gut. Das ist zu verstehen, ein Wortschwall folgt auf Arabisch. Sollte man diese Sprache nicht doch lernen? Freundlich klingen die Worte nicht. Eher frech und spitz.

 

Es ist heiß. Ein Gewitter zieht auf.

 

Der Bärtige auf dem Bahnsteig gegenüber springt auf. Auf der Bank hat er seinen Rucksack platziert. Der ältere Mann im Holzfällerhemd macht nicht den Eindruck, als gehöre er zum Bildungsbürgertum. „Verpisst euch. Geht nach Hause! Keiner will euch“, brüllt er aus Leibeskräften. Der Einheimische schwingt die Fäuste. Die Hotpants-Ladys rufen in ihrer Sprache wenig Freundliches zurück. Die Hitze lässt die Gleise flimmern. Der verdammte Zug kommt nicht. Verspätung. Der Holzfällermann kocht vor Wut. Für sein Alter erstaunlich geschickt springt er ins Gleisbett, geht ein paar Schritte, wirft seine Fäuste in die Luft, droht: „Euch kriege ich. Haut ab. Ihr habt bei uns nichts zu suchen.“ Alle auf Gleis Drei halten die Luft an. Niemand sagt etwas. Warum kommt dieser verfluchte Zug nicht?

 

Warten auf den Anschluss…

 

Die Mädels rennen weg, direkt zu mir auf die Bank auf der anderen Seite des Bahnsteigs. Sie schnattern aufgeregt. Der Alte im Gleisbett krabbelt zurück auf Bahnsteig 5, setzt sich auf seine Bank. Der Mann gibt Ruhe. Er starrt auf sein Handy, das er auf seinem Rucksack platziert hat. Durchatmen! Die beiden Teenies sitzen nun direkt neben mir. Nach einer kurzen Pause geht es in voller Lautstärke weiter. Ich sage zu ihnen: „Muss das sein? Ich will Eure Telefoniererei nicht in Techno-Lautstärke hören müssen. Ihr seid nicht allein. Nehmt doch etwas Rücksicht“. Sie schauen mich groß an. Nach einer kurzen Pause plappern sie weiter, etwas gedämpfter. Sie kichern. So ist das an einem heißen Sommertag auf Bahnsteig 3, wenn der Zug nicht kommt und man sich in einem ziemlich schlechten Film fühlt.

Es geht gut aus. Keine Eskalation, keine Prügelei. Die Hitze macht allen zu schaffen. Der alte Bärtige kaut auf Gleis 5 ein Stück Brot, konzentriert sich auf sein Video. Ich stehe auf, verlasse die Mädels, es ist einfach zu nervig. Sie gackern weiter als wäre nichts passiert. Plötzlich ein Wunder. Der Zug fährt mit einer Viertelstunde Verspätung ein, meinen Anschluss Richtung Berlin werde ich wohl verpassen.

 

Schloss Freienstein in Gotha/Thüringen. Sammelpunkt für eine der wertvollsten Kunstsammlungen, die zu Kriegsende zweimal geplündert wurde. 70% Kriegsverlust.

 

Die kleine Bahnhofszene spielte sich genauso auf dem Bahnhof von Gotha ab. Die einstige thüringischen Residenzstadt besuchte ich, weil die Rückkehr einer Original-Rubens-Ölskizze im Schloss Friedenstein zu feiern war Ein millionenschwerer Heimkehrer, knapp achtzig Jahre nach Kriegsende. Das unschätzbar wertvolle Rubens-Bild war 1945 illegal in den Westen gebracht worden und schließlich gewinnbringend in die USA verkauft worden.

Ich hatte den ganzen Tag in Gotha glückliche Menschen getroffen. Thüringen vom Feinsten. Eine Happyend-Geschichte. Nach Kriegsende war die renommierte Gotha-Kunstsammlung zweimal geplündert worden. Erst in der US-Besatzungszeit, dann durch die im Juni 45 einrückende Rote Armee. Kriegsverlust 70% der Kunstwerke. Noch heute sind vierzig Prozent des Gotha-Schatzes weltweit verstreut bzw. verloren. Die Cranach-Sammlung in Moskau, Rubens-Werke in New York und Zürich. Die Liste ist lang, sehr lang.

 

Niederländische Sammlung in Gotha. Nach fast achtig Jahren kehrt die Rubens-Ölskizze „Der Heilige Gregorius von Nazianz“ zurück. Ein Glücksfall für Gotha.

 

Als ich am Abend endlich in der Regionalbahn nach Erfurt sitze, wird mir klar, wie kurz die Zündschnur der Menschen ist. Ein kleiner Funke genügt. In Erfurt erreiche ich am Abend völlig unerwartet einen Anschluss nach Berlin. Ein ICE nach Gesundbrunnen fährt plötzlich ein. Dessen einstündige Verspätung gerät zu meinem Vorteil. Was schert es den Bahngestählten Reisenden noch, dass auf der Weiterfahrt gelangweilte Honks gleich zweimal die Notbremse ziehen und den ICE zum Stillstand zwingen. So wächst die Verspätung weiter gewaltig an, aber ich komme spät wieder in Berlin an. Und da steht eine S-Bahn bereit, die mich nach Hause bringt. Das Glück ist ein flüchtiges Gut.

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Geile Zeit

Wer sich am Rathaus Neukölln aus der U-Bahn schält, taucht in einer anderen Welt auf. Der Orient ruft. Schnurstracks geht es über die wuselige Karl-Marx-Straße zu einem in die Jahre gekommenen Kaufhaus. Dort muss irgendwo ein Fahrstuhl sein. Wo geht´s bitte zum Klunkerkranich, frage ich die bunt geschminkte Kosmetikverkäuferin mit Kopftuch. „Hey Bruder, da war ich noch nie. Aber irgendwo da hinten, zwischen New Yorker und Lidl ist ein Lift. Krass, checke Parkdeck 5.“ Oben angelangt, suche ich nach dem Zugang ins gelobte Land. Am Ende der dunklen Hochgarage, startklar für jeden Tatort-Dreh, steht: Zur Lesung „Geile Zeit“. Da will ich hin. Eine gepiercte Lady fragt gelangweilt: Wo willste hin? – Ich bin verdutzt. Kennen wir uns irgendwo her? – „Ja, seit gerade eben. Stehste auf der Gästeliste?“ – Ja. Die Neukölln-Frau wischt ein, zwei Mal über ihr Handy. „Kann Dich nicht finden. Aber ich hab meinen sozialen Tag.“ Sie händigt mir ein grünes Bändchen aus. Ich gehöre dazu.

 

Klunkerkranich. Treff der Jungen, Schönen, Erlebnishungrigen. Über den Dächern der Stadt, der Alltag bleibt unten. Foto: Klunkerkranich.

 

Der Klunkerkranich ist in Neukölln ganz oben. Auf dem Sonnendeck eines angegrauten Konsumtempels. Blick auf Tutti Berlin. Fernsehturm, Häusermeer und dramatische Wolkenformationen. Der Alltag bleibt unten. Dazu Aprilwetter im Juni. Sonne, Regen, Blitz, Donner und – ah,oh – ein Regenbogen. Ein renommierter Verlag feiert eine Vorab-Premiere. Geile Zeit von Niclas Seydack, Jahrgang 1990. Millennial. Mir wird rasch klar, dass ich den Altersdurchschnitt heftig nach oben treibe. Ein paar liebe Kollegen aus der mittleren Generation puffern mein Alter-Weißer-Mann-was-willst-du-hier-Dasein.

 

Buchpremiere. Geile Zeit mit Flamingo im Klunkerkranich über den Dächern Berlins.

 

Es geht los. Der coole Moderator kündigt ein wichtiges Werk an. Es gehe um die Selbstverpanzerung einer ganzen Generation in Zeiten einer bösen Welt draußen. Von Fluchten aus der Wirklichkeit in die Welt der Flamingos und Streaming-Helden ist die Rede. Die Millennials seien die letzte Generation, die noch ohne Smartphone aufgewachsen seien, aber die erste, denen es schlechter gehen werde als ihren Eltern. Okay, Boomer. Ihr seid schuld! Also ich. Die Babyboomer sind während der Buchpremiere der große Elefant im Raum. Sie gelten als abgehoben, besserwisserisch, selbstgerecht. Ohne Verständnis für die Sorgen der heute Dreißigjährigen. Ihr ständiger Zeigefinger an die Jungen, sie hätten Luxussorgen gepaart mit dem Vorwurf verwöhnte, wehleidige Wohlstandskinder zu sein.

Dann legt Niclas, der Star des Abends los. Aufgewachsen in einem Reihenhaus in Bad Schwartau – ja die Marmeladestadt – pendelt und schreibt er zwischen Berlin und München. Zeit, Spiegel, Elf Freunde, er spielt in der ersten Liga der Medien. Selbstironisch, witzig, abgeklärt. „Kindheit in den 90ern. Mit Lego, Nutellabroten und Samstagabend mit der Familie Wetten, dass…? Eine Idylle. Bis zum 11. September 2001. Dann Schweigeminuten in der Schule und die erste Liebe auf ICQ.“ Niclas beschreibt ein Leben mit verkürztem Studium, unbezahlten Praktika und Berufsstart im Lockdown. Überhaupt: Leben in Unsicherheit. Dauerkrisen: Finanz-, Terror-, Klima-, Migration-, Inflation-Albträume + Pandemie. Dazu eine neue starke Rechte. Schließlich Kriege. Es gilt: Je düsterer die Zukunft, desto knalliger die Klamotten, umso trashiger die Serien und häufiger die Therapien. Willkommen im Leben der Millennials.

 

 

Früher habe das Fernsehen den Horror nach Hause gebracht: Vietnamkrieg, Tschernobyl, 11. September. Heute trage TikTok den täglichen Horror frei in jede Kinderstube. Niclas schreibt über seine Jugendzeit mit Stefan Raab, Lena Meyer-Landrut und Eimersaufen. Wichtig sei: Eklig, ironisch und stets distanziert bleiben. Abstand halten. Häufig fällt das Wort Angst-Biografien, ein Merkmal der Millennials. Eine Mischung aus Sensibilität und Verletzlichkeit. Typisch sei der Peter-Pan-Effekt: Man weigere sich, erwachsen zu werden. Das junge Publikum im Klunkerkranich gurrt und lacht befreit auf. Genauso ist es wohl!

 

IUMA. Neuer Stern am Pop-Himmel. Ihr Motto: „Verletzlichkeit und Unsicherheit zu akzeptieren, gar zu feiern.“

 

Komisch. Geile Zeit-Autor Niclas Seydack lobt an diesem Abend mehrfach seinen Vater. Er sei verständnisvoll, nicht belehrend, kurz: ein echtes Vorbild. Das berührt mich ungemein. Mein zweiter Sohn ist gerade 31 geworden. Exakt ein Millennial wie er im Buche steht. Ich will ihm unbedingt Geile Zeit zum Geburtstag mitbringen. Aber nach der Lesung sind sofort alle Exemplare weg. Ich war zu langsam. Tja, Boomer. Schneller sein, sonst ist alles zu spät.

Niclas Seydack. Geile Zeit. Ab Mitte Juli 2024 bei Tropen.

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Frau am Bass

Der Bass ist nur die Verwaltung seiner selbst. Brumm, brumm. Nichts Neues. Nur Stillstand. Irrtum! Die meisten Bassisten sind männlich, eher zurückgezogen und häufig im Hintergrund. Nein! Als Solo-Instrument im modernen Groove übernimmt der Bass nur eine dienende, selten aktive Rolle. Die tiefen Töne sind für Struktur, Begleitung und Tiefe zuständig. Noch ein Irrtum! Darf ich vorstellen: Kinga Glyk. Virtuos hat die junge Bassistin ihren eigenen Stil entwickelt. Sie zeigt eine eigene Handschrift, die überrascht und überzeugt. Kinga gelang mit 19 Jahren der Durchbrch zu ihrer internationale Karriere. 2017 konnte ich die junge Polin zum ersten Mal im heute journal einem breiten Publikum vorstellen. Kinga gilt als eines der Super-Talente im europäischen Jazz. Sie habe eine große Zukunft vor sich, schrieb ich damals. Mittlerweile spielt die 27-jährige auf den großen Bühnen der Welt.

 

 

Kinga ist ein polnischer Vorname und bedeutet auf Deutsch Kunigunde. Glyk kommt aus dem Griechischen und steht für „süß schmeckend und Zucker“. Kinga Glyk stammt aus einer polnischen Musikerfamilie in Kattowitz. Ihr Vater Irek ist Schlagzeuger, ihr Bruder ebenfalls Musiker und verantwortlich für den Sound. Mutter Glyk organisiert Band und Wohlbefinden. Ein Familienbetrieb. Mit zwölf begann Kinga den Bass zu entdecken. Sie spielte hunderte Konzerte kreuz und quer durch Polen. Im März 2015 erschien ihr erstes Album „Registration“. Im Sommer 2016 legte sie mit ihrer Band „Happy Birthday“ vor. Eine starke Einspielung. Voller Spielfreude, cool und mit großartigen Soli. Sie eifert den Großen wie Jaco Pastorius, Stanley Clarke oder Victor Wooten nach. Ihre Cover-Version von Claptons „Tears in Heaven“ wird ein millionenfach geklickter YouTube-Hit. Längst jammt Kinga mit Jazz-Größen wie Marcus Miller oder Michael League von Snarky Puppy.

 

 

Kinga Glyk: „Jazz ist nicht nur für alte Menschen. Sicher ist die Mehrheit meiner Zuhörer in den Konzerten älter als ich, aber ich glaube das ändert sich. Ich möchte auch jüngeren Leuten die Inspiration dieser Musik näherbringen.“ Kinga Glyk zeigt: Jazz hat eine Zukunft. Und die viel belächelten Bassmenschen, meist mit Hornhaut an den Händen können ihr Publikum verzaubern. Sie sind keine exzentrischen Alleinunterhalter. So auch das bekannteste Bass-Trio SMV. Stanly Clarke, Marcus Miller und Victor Wooten. Ihre wenigen Live-Auftritte haben Kult-Status. Thunder war ein gemeinsames Projekt mit drei durchgeknallten Bassisten auf einem Album. Das Besondere: Die Drei von der Bassstelle spielen aus Freude zusammen. Miteinander. Ohne Konkurrenz oder selbstverliebte Ego-Trips. Wahre Musik, die improvisiert und wieder zusammenfindet.

 

 

Kinga tritt gerne mit Hut, Charme und einer wunderbaren Gewissheit auf: Ihr Bass sorgt für Rhythmus, für richtige Tiefe und das gewisse Etwas. Kinga Glyk – längst ein Stern am Jazz-Himmel. Das bescheidene Mädchen mit dem tiefen Bass und dem großen Talent.

 

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Mein erstes Mal

Frühe Morgenrunde durch den hochherrschaftlichen Schlosspark Neuhardenberg. Graue Wolken hängen tief über dem urpreußischen Anwesen nahe der deutsch-polnischen Grenze. Das Schlossensemble sieht aus, als wäre ein riesiges weißes Ufo mitten im märkischen Oderbruch gelandet. Ein Reiher lauert am Teich auf Beute. Ein paar Krähen krakeelen. Ansonsten: Stille, Friedfertigkeit, Harmonie. Einfach nur Durchatmen. Es sind meine ersten Stunden als frischgebackener Rentner. Ich bin einer von den vielen Babyboomern, die gerade den Ablauf ihrer Betriebszeit erleben. Plötzlich kreuzt ein kräftiger Landmann mit Muskelshirt und schwarzem Labrador-Schäferhund-Mischling meine Wege. Wir grüßen uns freundlich.

 

Neuhardenberg. Die Schinkelkirche. Ort für Konzerte, Lesungen, Kultur. Knapp zwei Autostunden östlich von Berlin.

 

Wir kommen ins Gespräch. Er drehe hier im Park regelmäßig seine Runden, zwischen Schloss, Eichen und Rotbuchen. Neuhardenberg habe sich prächtig entwickelt. Das gehöre hier alles der Sparkasse. „Gebaut mit unserem Geld.“ Wir lachen. Als er sein Haus finanzieren wollte, betont er, habe ihm die Sparkasse „das letzte Hemd ausziehen wollen“. Da habe er die Bank gewechselt. Diese Möglichkeit sei eine der wenigen Vorteile des „Westens“. Wir nähern uns im weitläufigen Park dem einstigen Hardenberg-Sitz mit mehreren Schlossflügeln und einer Schinkelkirche. Es werde heute nicht regnen, meint der Hundebesitzer fachmännisch, Petrus mache stets einen großen Bogen um Neuhardenberg. Warum? – Ganz einfach. Auf dem ehemaligen DDR-Regierungsflughafen befinde sich Europas größte Photovoltaikanlage. Die Abstrahlung, die Wärme! Der Mensch ruiniere die Natur.

 

Kit Armstrong. In Kalifornien geboren. Sohn einer Investmentbankerin aus Taiwan und eines Amerikaners. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Mit fünf Jahren begann er mit dem Klavierspiel. Heute tritt Armstrong in den ersten Konzertsälen der Welt auf. Foto: Jean-Francois Mousseau

 

Was ich denn in Neuhardenberg mache, will er wissen. Ein schönes kurzes Wochenende verbringen, mit Freunden, Kultur und Musik, antworte ich. Ach so! Wer denn da sei, fragt er. Kit Armstrong, aber nicht der What-a-wonderful-World-Trompeter Louis Armstrong. Er schaut mich mit großen Augen an. Mein Armstrong sei ein junger, begnadeter Pianist, der in der Gutskirche auch Orgel gespielt habe. Die Journalistin Inge Kloepfer habe über das US-Wunderkind an den Tasten ein Buch geschrieben. „War´s gut?“ – Großartig. „Lustig. Sie kommen aus Berlin nach Neuhardenberg. Wir waren gestern in Berlin, in der Waldbühne. Sechs Stunden lang, bis der Rücken weh tat.“ Was gab´s? – „Na, Schlagerparade. War klasse.“ Wir verabschieden uns, gehen auf getrennten Wegen in den neuen Tag hinein.

 

 

Kit Armstrong hat fasziniert. Der 1992 in Los Angeles geborene Pianist glänzt an Klavier und Orgel mit Werken von Mozart, Bach, Liszt, William Byrd und einer Orgelsinfonie von Charles-Marie Widor, dem Lehrer von Albert Schweitzer. Im Gespräch mit Inge Kloepfer schwärmt der studierte Mathematiker von Bachs Kompositions-Fähigkeiten. In seinem C-Dur-Präludium aus dem Wohltemperierten Klavier lasse Bach fünf Finger wie fünf lustige Gesellen auf den Tasten tanzen. Dazu der Kontrapunkt. „Genial“. Genau so interpretiert das „Jahrhunderttalent“ in der Kirche von Neuhardenberg Bachs fröhlichen Tanz aus fünf Tönen. Nach dem Konzert fragt er bei Spargel und Wein: „Was meint Ihr? Hat Bach Tomaten gekannt?“

 

 

Was für ein wunderschöner Einstieg in eine neue Zeit. Ruhestand genannt.

Inge Kloepfer. Kit Armstrong. Metamorphosen eines Wunderkinds. Piper. 2024.