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Vierzig Jahre Geschwister Braun

Seit vierzig Jahren porträtiert der amerikanische Fotograf Nicholas Nixon jedes Jahr seine Frau Bebe und ihre drei Schwestern. Die Spielregeln für dieses künstlerisch ungewöhnliche Langzeitprojekt sind denkbar einfach: Die vier Frauen kommen zu einem Gruppenbild zusammen, bei dem lediglich die Abfolge ihrer Aufstellung sowie das Negativformat konstant bleiben.

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Sisters Brown. 1984.

 

Vierzig Jahre sind eine biblische Größe. Moses führte in dieser Zeitspanne sein Volk ins Gelobte Land. „Als vierzig Jahre vergangen waren, erschien ihm in der Wüste beim Berg Sinai ein Engel im Feuer eines brennenden Dornbusches.“ So manches Reich blieb genau über diesen Zeitraum am Leben. Der legendäre Gründer Roms, Romulus herrschte vierzig Jahre. So auch Pandion über Athen, ähnlich wie die Regentschaft des Priamos über Troja. Die DDR gab nach genau vierzig Jahren auf, viele andere Regime auf der Welt wie das der Apartheid in Südafrika scheiterten an dieser magischen Marke.

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Sisters Brown. 1999.

Vierzig Jahre sind viel Zeit und doch wie im Fluge vorbei. Das zeigen die Geschwister Braun. Stehend erfasst, manchmal auch als Ganzkörperbild, werden die Schwestern in einem eng begrenzten Bildausschnitt eingefangen. Sie schauen direkt in die Kamera. Über einen Zeitraum von vierzig Jahren hat Nicolas Nixon (*1947) dokumentiert, wie Zeit und Vergänglichkeit die sich immer wieder wandelnden Beziehungen der Schwestern prägen. Zu sehen in der Pinakothek in der Moderne in München.

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Sisters Brown. 2014.

 

 

Nicholas Nixon

THE BROWN SISTERS. 40 JAHRE

20. März bis 5. Juli 2015

PINAKOTHEK DER MODERNE

Barer Str. 40 . 80333 München

Wer hat Angst vor dem Wolf?

Der Wolf ist unterwegs. Er reißt Schafe, Ziegen, Hühner, Damwild, sogar kalbende Kühe. Bauern und Kleintierzüchter sind in heller Aufregung. Binnen weniger Tage schlugen Wölfe in mehreren brandenburgischen Wildtiergehegen zu. Die Jäger wollen den Wolf zur Strecke bringen. Sie setzen auf Schrot und Blei für den Konkurrenten. Die Wolfsmanager hingegen beschwichtigen, regulieren Schäden und legen Zahlen vor.

Im 21. Jahrhundert wurden von 2000 bis zum Februar 2015 im Wolfs-Land Brandenburg insgesamt 126 Attacken von Meister Isegrim amtlich registriert. Für 484 Nutztiere – zumeist Schafe – zahlten die Behörden Entschädigung, so das Wolfsmanagement. Anfang April soll es intensive Gespräche mit Bürgern und Landwirten geben. Denn: die Angst vor dem Wolf geht wieder um.

Manche Wolfshasser greifen mittlerweile zu drastischen Mitteln. In der Nähe von Bautzen liquidierten Unbekannte einen Rüden, sein Körper war von Dutzenden Kugeln durchsiebt. Im Elbe-Elster-Kreis wurde ein Wolf erschossen, skalpiert und der Rumpf am Straßenrand zurückgelassen. Waren die Täter skrupellose Trophäenjäger? Die Polizei ermittelt. Die allermeisten Wölfe jedoch verenden auf Bundesstraßen. Sie werden einfach überfahren.

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Im Sommer 2011 tappte der Wolf in die „Fotofalle“. Der Einzelgänger auf Deutschlands größtem ehemaligen Bombenabwurfplatz „Bombodrom“ zwischen Neuruppin, Rheinsberg und Wittstock, nördlich von Berlin.

 

Zuletzt lebten in Brandenburg nach Angaben des Landesumweltamtes noch etwa 14 Wolfsrudel und einige Einzeltiere, so auf dem Gelände des ehemaligen Bombodrom in der Wittstocker Heide. Die meisten Wölfe kommen im Süden Brandenburgs vor. Wolfsrudel brauchen Reviere bis zu 350 Quadratkilometer, ziehen ruhelos umher durch Wälder, alte Manövergebiete und aufgegebene Militärplätze.

Wölfe sind hervorragende Auf- und Abräumer von kranken Wildbeständen, holen sich aber auch Schafe und räubern gerne in Hühnerställen. Viele Landbewohner sind verunsichert bis verärgert. Seit Menschengedenken bestimmen Angst und Aberglaube unser Verhältnis zum Wolf. „Der Mensch ist des Menschen Wolf“, stellte der Dichter Titus Plautus fest. Das war vor 2.200 Jahren. So viel zur Lernfähigkeit des Menschen im 21. Jahrhundert.

Das Leben des André

Gegen die Zumutungen des Lebens versucht jeder Einzelne, sich auf vielerlei Weise zu wappnen. Mit Mauern, Trutzburgen, Therapeuten, Versicherungen, Rauschgiften oder Religionen aller Art. Oder man nimmt das Leben wie es ist. So wie André Herzberg. Schüler, Soldat, Musiker, Poet und seit kurzem Autor einer beeindruckenden Biografie. Seiner eigenen. Er nennt seine Geschichten Alle Nähe fern.

Der Großvater war deutsch-national. Der Vater streng kommunistisch. Und der Sohn? Er schlägt aus der Art, wird statt linientreuer Kämpfer für die Sache Sänger der Ost-Berliner Kult-Band Pankow. Nichts Vernünftiges also, scharf betrachtet durch die Brille der Väter. Herzbergs Familiendrama umfasst drei Generationen, zwei Weltkriege, dazu zwei Diktaturen und zwei deutsche Länder, die sich in inniger Hassliebe gegenüberstehen. Nur mit viel heiterem Trotz kann es gelingen den Widrigkeiten des Lebens zu widerstehen. Denn die Herzbergs sind eine jüdische Familie – und was für eine.

Der Ost-Berliner André Herzberg erzählt das Auf und Ab seiner Familie mit fremdgehendem Vater, strenger Mutter und ignoranten Parteistatthaltern leicht, locker und souverän. Da geht dann mal eben ein ganzer Staat unter. Und der Neue hält nicht, was er verspricht. Klar, das Leben kann bitter und gallig genug sein.

 

Herzberg überlegt: „Das bist du, du bist der Verlierer, weil du Jude bist. Man kann dich an deiner Nase und deinen Locken erkennen, so hat es mir Mutter beigebracht. Der verräterische Höcker muss weg, es sollte wie eine Stupsnase aussehen. Das Wort Jude hat ein Echo, das haben wir bis zur Vergasung gehört“. Wie der mittlerweile fast 60-jährige Pankower damit umgeht und das manchmal zum Verdauen nur noch einen Kurzer hilft, liegt auf der Hand. Wer Kummer hat, hat auch Likör.

 

Was Geld macht

William Henry Gates ist 59 Jahre alt. Der Amerikaner gilt als reichster Mann der Welt und ist zweifelsfrei der führende Mäzen der Menschheit. Der Microsoft-Mann, besser bekannt als Bill Gates, will den Globus vor Armut, Krankheit und Hungertod retten. Seit 2008 ist er hauptberuflich Wohltäter und gibt seitdem mit rund tausend Mitarbeitern mehr als 4 Milliarden Dollar im Jahr aus.

Die üppigen Spendengelder fließen weltweit in Arzneimittel, Impfstoffe, Saatgut und Verhütungsmittel. Seine Motivation ist sein Streben nach „Gleichheit“, nur so könne ein Überleben auf dieser Erde gesichert werden. Der Philanthrop will gemeinsam mit seiner Frau Melinda die Kinderlähmung abschaffen und dafür sorgen, dass sich Afrika in fünfzehn Jahren selbst versorgt. Ein Traum? Ein neues Leben als reicher Supermann, der die Armen dieser Welt von Not und Elend erlöst?

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„Changes everything“ – Dieser Mann ändert alles. Gesehen in Berlin-Mitte, nahe Regierungsviertel.

Das Ehepaar Gates gehört zu den 115 Superreichen des exklusiven Milliardärs-Club „The Giving Pledge“. Deren Mitglieder haben sich verpflichtet und geschworen, die Hälfte ihres Reichtums abzugeben. SAP-Gründer Hasso Plattner ist der einzige Deutsche in diesem diskreten Spendenverein. Das Vorbild dieser Männer und wenigen Frauen ist der US-Stahl-Baron Andrew Carnegie. Er verfasste vor gut hundert Jahren sein Evangelium des Reichtums.

Im kommenden Jahr ist der historische Punkt erreicht, an dem das berühmte ein Prozent der Weltbevölkerung mehr an Reichtum und Vermögen besitzt als alle restlichen 99% zusammen. Die Weltgesellschaft bewegt sich in rasendem Tempo zurück zu ihren Anfängen. In eine feudale Zeit, in der einige ganz viel, die Allermeisten aber nur wenig bis nichts besitzen. Make a better world! Der reiche US-Stahlmagnat Carnegie zog übrigens am Ende seines Lebens folgendes Fazit: „Wer reich stirbt, stirbt in Schande.“

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Es wird Frühling

Alle Jahre wieder schwärmen im Frühjahr Bücherfreunde aus, um in Leipzig das Richtige, das Passende, kurzum: das Beste von allen Büchern des neuen Jahres für sich zu entdecken. Die Leipziger Buchmesse beginnt am 12. März 2015 und wird nach vier Tagen am 15. März ihre Pforten wieder schließen.

Ist was dabei? Wen oder was sollte ich kennenlernen? Wie aktuell, wie nah an den Menschen ist der neue Jahrgang? In Monaten wie diesen mit Kriegen, Finanzkrisen, Flüchtlingströmen, Pegida-Anhängern und selbsternannten Gotteskriegern. Mit blühenden Weltverschwörungstheorien, neuen Konflikten und alten Feindbildern. Eigentlich sind solche Umbruchzeiten gute Zeiten für Autoren. Hier gedeiht der Stoff für starke Stoffe.

 

In Leipzig stelle ich dieses Jahr folgende Bücher vor:

Nicolas Kulish/Souad Mekhennet.  Dr. Tod.

Michael Lüders. Wer den Wind sät.

Lamya Kaddor. Zum Töten bereit.

Thomas Aders. Allah ist groß, die Hoffnung klein.

Rainer Hermann. Endstation Islamischer Staat?

Julia Friedrichs. Wir Erben.

Günter Grass/Per Ohrgaard. Freipass.

André Herzberg. Alle Nähe fern.

 

Sehen wir uns?

Good Bye, Fritz! – „Mein Lebenshorizont ist ausgeschritten“

Das Alter ist ein Massaker, konstatierte Marcel Reich-Ranicki kurz vor seinem Tod. Irgendwann ist Schluss. So wie sein konservativer Gegenspieler, dem er in herzlicher Feindschaft verbunden war, fühlte sich zuletzt auch Fritz J. Raddatz. Der Autor und Essayist wollte sein Leben bis zum letzten Tag würdig gestalten. In einem Interview nahm er kürzlich Abschied von seinen Lesern. Ihm fiele nichts mehr. Die Aufgeregtheiten des Tages interessieren ihn nicht mehr. Es sei genug! Fritze Raddatz nahm sich am 26. Februar in Zürich das Leben. Einen Tag, bevor sein letztes Buch erscheint „Jahre mit Ledig“.

Sein Leben war ein einziger Roman. Geboren 1931 in Berlin, wechselte er mit neunzehn Jahren von West- nach Ostberlin, „voller Hass auf das Adenauer-Globke-Deutschland und voll Abscheu vor der Bürgerwelt, deren Teil ich war und geblieben bin“, denn „mir gefielen die Gesichter im Osten besser.“ Der junge aufmüpfige Raddatz stieg zum stellvertretende Cheflektor im Verlag Volk und Welt auf, bis er die ständige Bevormundung, Zensur und DDR-Piefigkeit satt hatte.

1958 ging Raddatz zurück in den Westen. Erich Kästner vermittelte das große Talent an den Kindler-Verlag. Ab 1960 stand er mit an der Spitze des Rowohlt-Verlags und ab 1977 leitete er das Feuilleton der ZEIT. Raddatz stürzte sich zeitlebens furchtlos in alle Debatten. Streitbar, gebildet, scharfsinnig, hochmütig, verletzend und verletzbar. Er war „Torero und Stier zugleich“. So der Titel seiner Autobiografie.

 

Der literaturbesessene Raddatz nannte sich einen „Hochmutstrottel“. Lebte ein Leben voller glanzvoller Höhepunkte und tiefen Abstürzen. Offen bekannte er sich zu seinen homosexuellen Affären mit Allen Ginsberg oder dem Tänzer Rudolf Nurejew. Er liebte das Bordell, den Champagner – überhaupt wurde in seinem Leben viel getrunken – und den Luxus. Raddatz fühlte sich Klaus Mann sehr nahe, in den er sich während eines Vortrages auch verliebt hatte, ohne dass Klaus Mann je davon erfuhr.

Seine Hausgötter waren Kurt Tucholsky, Rainer Maria Rilke und Heinrich Heine. Er liebte literarische Duelle, legte sich mit jedem an, der ihm einigermaßen satisfaktionsfähig erschien. Seinen journalistischen und gesellschaftlichen Kosmos beschrieb er in den legendären Tagebüchern. Sie eröffneten einen unverstellten Blick hinter die Kulissen des aufgeregten plappernden Literaturbetriebes. „Ich, ich, ich – Peinlich sind immer die anderen, Freunde, das ist ein heikler Plural“, lächelte der Homme de Lettre zwischen den Zeilen.

Fritz J. Raddatz verabschiedete sich im Alter von 83 Jahren. Schon zu Lebzeiten verkörperte der „Revoluzzer im Maßanzug“ einen Typus Journalisten, den es längst und leider nicht mehr gibt: Ein gebildeter Zeitgenosse, mit brillanter Intellektualität und Lebensklugheit, Größenwahn und scharfzüngig formulierter Haltung. Er wird fehlen – im dahinplätschernden Mahlstrom der Mittelmäßigkeit unseres heutigen Kulturbetriebes.

What a wonderful world

Erschießungen auf offener Straße, festgehalten auf Dutzenden von Handykameras. Massenhinrichtungen mit Publikum, bei Anwesenheit von Kindern. Enthauptungen zu Propagandazwecken, hochgeladen auf youtube. Folter, Willkür, versklavte Mädchen und Frauen. Millionen Menschen auf der Flucht. 2014 war ein katastrophales Jahr für die Menschenrechte.

Das stellt der soeben vorgelegte Jahresbericht von amnesty international fest. Die Organisation hat in 160 Ländern Verstöße gegen elementare Menschenrechte untersucht. Die Spitzenreiter auf dieser Liste des Schreckens sind Syrien, Irak und Nigeria. Hinzu kommen im Jahre 2014 schwere Übergriffe in der Ukraine und in Gaza. Was noch?

  • Kriegsverbrechen oder Verstöße gegen das Kriegsrecht in 18 Ländern
  • Bewaffnete Gruppen setzten in 35 Ländern Menschenrechte außer Kraft
  • Meinungs- und Pressefreiheit wurde in 119 Ländern eingeschränkt
  • Politische Gefangene in 62 Ländern
  • Schauprozesse in 93 Ländern
  • Folter und folterähnliche Misshandlungen in 131 Ländern
  • Mehr als 3.400 Menschen ertranken auf der Flucht im Mittelmeer, beim Versuch nach Europa zu gelangen
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Sehnsucht nach einem besseren Leben – Abendstimmung am Mittelmeer

 

Wo bleibt das Positive? Amnesty nennt einige Beispiele. Die Liste der Fortschritte im Jahre 2014 ist jedoch äußerst übersichtlich. Der Inder Salil Shetty, Generalsekretär der renommierten Menschenrechtsorganisation, erwähnt unter anderem:

  • In Paraquay wurde den Sawhoyamaxa-Indianern ihr Gebiet zurückgegeben
  • Mehrere Karibikstaaten verzeichneten zum ersten Mal keine Hinrichtungen mehr
  • Das UN-Waffenhandelsabkommen für leichte und schwere Waffen trat in Kraft
  • Die Ausbreitung sozialer Medien ermöglichte Foren des Austausches und der Kommunikation

Stellt sich die Frage, was der Einzelne angesichts dieser Entwicklung tun kann. Sollte Gewalt mit Gewalt bekämpft werden? Amnesty International hält sich in dieser Frage bedeckt, fordert ein entschlosseneres Einschreiten der UNO. Und sonst? Der US-Bürgerrechtler Martin Luther King antwortete einmal: „Kann man Dunkelheit mit Dunkelheit bekämpfen? – Nein. – Das geht nur mit Licht.“

Ich habe keine Zeit mehr

Gerhard Gundermann war der singende Baggerfahrer aus der Lausitz. So hieß es über ihn. Er wollte singen wie der Boss. Und das konnte er auch. Er war ein genialer Poet, Liedermacher, Texter, Tischler und Braunkohle-Maschinist aus Hoyerswerda. Er lebte intensiv und starb jung – mit 43 Jahren. Aber er mischte sich ein wie andere in achtzig Jahren nicht.

Im Westen blieb Gundi nahezu unbekannt. Dabei sind seine Songs so anrührend wie universell und zeitlos. Er sang 1995 im Vorprogramm von Joan Baez und Bob Dylan. Erst in den letzten Jahren erfuhr der „Rio Reiser des Ostens“ die Anerkennung, die er verdient. Der Schauspieler Axel Prahl und Regisseur Andreas Dresen widmen ihm Konzerte und füllen die Hallen. Gundermann lebt. Er wäre am 21. Februar 2015 sechzig Jahre alt geworden.

 

https://www.youtube.com/watch?v=pFA8C4lUq30

Ich habe keine Zeit mehr

„Und ich habe keine Zeit mehr im Spalier herumzustehen

und im Refrain ein bisschen mitzusingen

Und all den Bescheidwissern hinterherzugehen

Und jeden Tag nach meiner Wurst zu springen

 

Und ich habe keine Zeit mehr, ich stell mich nicht mehr an

In den langen Warteschlangen, wo man sich verkaufen kann

Und ich habe keine Zeit mehr, ich nehme den Handschuh auf

Und ich laufe um mein Leben, und gegen meinen Lebenslauf…

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Neuer Look

Liebe Besucher, Nutzer und Neugierige,

nach sieben Jahren hat diese Seite einen neuen Anstrich verdient. Nun ist es soweit. Hoffentlich gefällt´s.  Form und Gestalt sollen diesem winzigen Haltepunkt mitten im weiten unendlichen Netz der Algorithmen leuchten lassen. Diese Website wird weiter ein Fenster zu meiner Welt sein und im Gegenzug meine Blicke, Gedanken und Überlegungen nach außen tragen.  Ohne Austausch geht nichts. Über Anregungen, Beiträge und Kritik freue ich mich.

Der Look ist neu, mein Motto bleibt: Sapere aude! – „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

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Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? Der Meister aus Königsberg Immanuel Kant erklärt die Welt.

 

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Hotel Bossa Nova – Neue Welle aus Wiesbaden

„Wenn wir Jungs unseren Jazz machen, dann kommen höchstens sechs Leute“, stöhnt der Gitarrist kurz vor Auftritt. Es klingt ein wenig resigniert. Als Sängerin Liza da Costa die Bühne im angesagtesten Berliner Jazz-Club a-trane betritt, brandet Beifall auf. Vorschusslorbeeren für eine Band, die keiner kennt. Der Laden ist gerammelt voll. Vielleicht, weil an diesem kalten Winterabend alle auf ein Abtauchen in warme brasilianische Rhythmen hoffen.

E pronto! Die vier Musiker erobern die Herzen der verwöhnten Hauptstädter im Sturm. Vor allem die fröhliche Frontfrau, die Deutsch-Portugiesin Liza da Costa verleiht dem Quartett vom ersten Takt an ihre unverwechselbare Note. Sie schnurrt, surrt, trilliert, brilliert, verwandelt ihre Stimme in ein virtuoses Soloinstrument. Anspruchsvoller, professioneller Bossa Nova für Kopf und Bauch.

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Liza da Costa in Berlin. Foto: Nick Becker

Liza führt auf Deutsch durch den Abend, die Songs sind alle auf Portugiesisch. Sie erzählen von großen Hoffnungen und den miesen kleinen Tiefschlägen. Da macht jemand Schluss. Dort scheint die Sonne nie auf einen Balkon, der vom gegenüberliegenden Haus in den Schatten gestellt wird. Welche Pflanze wächst da nur? Schließlich bemüht sich ein Zugereister um Anschluss, wird zurückgewiesen, bleibt ausgeschlossen. Musik als Rettungsanker und Seelenbalsam. Wie schön können Niederlagen sein, wenn sie so gefühlvoll vorgetragen werden.

Gitarrist Tilmann Höhn, Kontrabassist Alexander Sonntag und Schlagzeuger Wolfgang Stamm kreieren einen Sound, der einen nach Rio de Janeiro oder Lissabon entführt. Eine Leichtigkeit, die beschwingt, voll ansteckender Lebensfreude. Im Wechsel mit Balladen, die von Kummer und Herzensleid künden. Die Musiker machen den Eindruck, dass sie zu dem stehen, was sie tun, auch wenn es nicht dem verkaufsfördernden Mainstream entspricht. Das steckt an. Nur solche Musiker können dieses Glücksgefühl auch an ihre Zuhörerschaft weitergeben.

 

Hotel Bossa Nova. Cooler Jazz mit Seele und bezaubernder Sängerin aus Wiesbaden. Ihre neue CD heißt Desordem & Progresso. Das bedeutet übersetzt so viel wie Turbulenzen und Fortschritt. Ein schöner Mix, eine echte Entdeckung.